Ich warne euch. Dies wird jetzt ein sehr langer Eintrag! Während der gesamten Hinreise (Altenburg-Erfurt-Frankfurt-Madrid-Lima-Arequipa) habe ich nämlich ganz analog "Block geschrieben" und werde dies nun mal digitalisieren....Die Zusammenfassung der 30 Stunden-Anreise.
The Same Procedure as Every Time in my Life...
31. August. Mein Zug fährt 10.18 Uhr am Altenburger Bahnhof. 9.50 Uhr stehe ich im Wohnzimmer meiner Eltern und schließe das erste Mal meinen Koffer. 9.55 Uhr sitze ich schreiend und schimpfend auf meinem Koffer und versuche mit voller Kraft, den Reissverschluss zuzuziehen. Ich stelle fest, dass wieder einmal alles viel zu knapp ist, dass ich das niemals schaffen werde und dass man das alles hätte schon viel früher erledigen können. Wie kann man den nur...AAAAAH! Ich weiß gar nicht, ob ich zuerst mich oder doch eher den Koffer verfluchen soll. Ich entscheide mich erstmal für den Koffer und kriege ihn schließlich mit Biegen und Brechen zu. Ein Leben am Limit, aber wenigstens bin ich konsequent, in dem was ich tue. 10.12 stehe ich am Bahnsteig und da kommt der Zug auch schon seelenruhig angerast. Naja. Ich bin da, der Zug ist da, eigentlich könnte man es auch die optimale Zeitplanung nennen! Die Verabschiedungszeremonie mit meinen Eltern (die wahrscheinlich nach diesem denkwürdigen Chaos-Auftritt glauben, dass bei Romy H. Hopfen und Malz einfach verloren sind) fällt dementsprechend kürzer aus, als gedacht. Aber ich habs geschafft - Yaaaay!
Altenburg-Erfurt
Chillig. Ich bn gut drauf. Ich trinke Club Mate, um wach zu bleiben, obwohl ich noch nicht mal 5 Minuten gereist bin. Ich mache aus Langeweile Fotos. Ich verfluche die westdeutsche Mittfünfzigerin mit Hang zum Öko-Lifestyle zwei Reihen vor mir, dass sie jedem, aber auch jedem, Zugestiegenen auf die Nase binden muss, dass sie aus Bielefeld kommt und was von Landschaftsgärtnerei versteht. Bielefeld. Herrgott! Ist sie wirklich stolz darauf!? Egal, ganz ruhig. Vielleicht kann ich sie ja in 10 Jahren mit den Memoiren erpressen, die ich über sie geschrieben habe. Noch zwei Stationen, dann weiß ich vermutlich sogar, wann sie Geburtstag hat, dann kann ich sie ihr auch gleich schenken... Oh! Gerade hat sie laut durch den Zug geschrien, dass sie das Klappern einer Flasche schrecklich nervt und seit fünf Minuten versucht sie ein Wetter aufzureissen, das aber eh nicht aufzumachen geht. Oh nein, der Zug hält, Leute steigen ein. Und jetzt erzählt sie wieder, dass sie......Bielefeld. Landschaftsgärtnerei. Argh. Groll steigt in mir auf. Ich geh mal einen Baum umarmen.
In Erfurt angekommen muss ich umsteigen. Unter
Einsatz meiner ganzen Kraft zerre ich meinen riesigen Koffer aus dem
Zug. "Das ist er wieder, der Unterschied zwischen deutschen und
spanischen Männern! Aufmerksam wie ein Stück Toastbrot. Stehen da und
glotzen blöde oder wahlweise mitleidig, aber keiner kommt auch nur auf
die Idee, dir Hilfe anzubieten.", denke ich mir so. Ich werde kurz
darauf eines Besseren belehrt, als ein recht netter Typ für mich das
XXL-Ungetüm eine endlos lange Treppe hinunterbugsiert. Die Ehre der
deutschen Männer ist hiermit offiziell gerettet :-) Dumm nur, dass ich
den Koffer wenig später wieder eine Treppe hochtragen muss. Als ich
mich gerade abmühe und insgeheim nach männlicher Unterstützung sehne,
höre ich eine vertraute Stimme: Die Öko-Tante aus dem Regionalexpress
von vorhin. Sie ruft mir zu und winkt und möchte unbedingt meinen Koffer da hochschleppen, weil
sie am Vortag gleich zwei Stück Sahnetorte gegessen hat und jetzt
dringend Bewegung braucht. Ok. Bitteschön. Freiweillige vor. Da sage ich
doch nicht nein. Wir müssen in den selben Zug. Als wir gemeinsam auf
den ICE warten, erzählt sie mir, dass sie aus Bielefeld kommt (Achso?)
und nach 8 Minuten Wartezeit kenne ich gefühlt ihr ganzes Leben, was
auch die letzten Worte ihrer sterbenden Mutter einschließt. Außerdem
erzählt sie mir von ihrer 8-jährigen Ehe mit einem Türken, der sie
finanziell total ausgenommen hat. Ich kenne am Ende den Namen von dessen
Schwester, seiner Mutter, weiß, dass die Familie einen Dönerimbiss hat,
an dem die gute Frau nicht einmal Döner anschreiben durfte. Ach, ich
weiß soviel. Ich höre mir an, dass sie jetzt 10.000 Euro Schulden und
von Männern die Schanuze voll hat. Lieber Gott, bitte sende mir einen ICE! B-I-T-T-E!
Als sie mir erzählt, dass sie doch
hätte stutzig werden müssen, weil sie und ihr Emrep ja in vier Wochen
nur zwei Mal Sex gehabt hätten, bin ih gedanklich raus aus der Sache...BIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEP!
Der Zug kommt endlich. Zur Verabschiedung sage ich als letztes noch viel zu
bedeutungsschwanger den Satz. "Tja. Naja. Manchmal ist es eben verdammt
schwierig, die guten von den schlechten Menschen zu unterschieden." Der
Satz ist plump und eigentlich sage ich ihn nur, damit die arme Frau sich
heute Abend nicht noch drei Beruhigungs-Räucherstäbchen mehr anzünden
muss. Eigentlich sage ich ihn auch, weil ich schon immer mal an einem
Bahnhofsgleis was Melodramatisches zur Verabschiedung sagen wollte. Ich
werfe gedanklich 5 Euro ins Phrasenschwein und suche mir anschließend im
Zugabteil einen anderen Sitzplatz als sie, um weiteren schmutzigen
Details dieses Konglomerats aus verzweifelter Ü-50erin und
schlitzohrigem anatolischen Heiratsschwindler zu entgehen.
Erfurt - Frankfurt
Die Zugfahrt nach Frankfurt ist unfassbar langweilig. Alle schlafen und ich fange langsam sogar an, die verrückte Öko-Tante zu vermissen. Ich mache die ganze Zeit Kaugummiblasen und lasse sie so laut wie ich kann platzen, um die Ruhe zu zerstören. Klappt aber nicht, denn alle schlafen weiter ignorant vor sich hin. Das einzige, was mich aus der Lethargie reißt, ist ein zwar schrecklich hässliches, aber irgendwie auch ziemlich geiles Graffiti am Wegesrand. Ein hingeschmierter Spruch auf einem Stromkasten.
"Schönen guten Tag. Ihr lebt nur einmal."
True Story. Ich bin der Meinung, dass dies entweder ein furchtbar kluger oder aber ein furchtbar dummer Sprayer gewesen sein muss. Ich denke lange darüber nach und viel zu spät komme ich auf die brilliante Idee, lieber nicht mehr darüber nachzudenken und mal besser meinen MP3-Player zu suchen. Ich stelle zu meinem großen Entsetzen fest, dass das einzig Brauchbare was man jetzt hören kann, die Sportfreunde Stiller sind. Netter, braver Deutsch-Pop, der einen nicht aufregt gewürzt mit einer Prise Weltschmerz - Perfekt.
Als wir kurz vorm Flughafen sind und ich bereits vor der Ausgangstür vorm Zug stehe, sehe ich neben mir einen Typ (Marke: Normalo, in Richtung Poser gehend), der beim Einfahren in den Flughafen durch das kleine Zugtürfenster nach draußen schaut, sich mehrfach ins Gesicht klatscht und im Abstand von 2 Sekunden immer wieder ungläubig "Frankfurt. ................... Frankfurt. ..................Frankfurt.........." vor sich hin flüstert. Okayyyyy........Und ich dachte, ich bin aufgeregt. Also ich weiß ja nicht, was bei diesem Typen ansteht, aber ich denke mir, dass es weitaus schlimmer sein muss, als ein halbes Jahr in Peru zu verbringen.
Flughafen Frankfurt
Oh Nein! Ich bin in Frankfurt! Frankfurt...Frankfurt..AAAAH! Das ist doch fast schon Peru! Ich brauche jetzt einen Ort, der mich wieder runterbringt. Ich...ich...ich...ich gehe zu Starbucks! Gesagt, getan. Ich kaufe mir einen Kaffee und maßlos überteuertes Essen und frage mich, wer zum Teufel dort eigentlich diese unverschämten Preise macht. Ich beschließe, dass man diese ollen, gierigen Manager-Typen auch mal kopfüber in die laufende Klospülung stecken müsste. Ich trinken meinen Kaffee und weiß plötzlich wieder, warum ich bei Starbucks gelandet bin, um überteuertes Essen zu kaufen. [Der ist aber auch toll, der Kaffee... :)]. Ich sitze da und beobachte Leute. Es ist so absurd, jetzt noch einmal den Frankfurter Prunk und Glamour abzugreifen, all die Banker und Business-Tussis zu erleben, bevor es dann ins runtergerockte Südamerika geht. Frankfurt ist so fremd und anders, dass ich mich hier eh schon ganz weit weg von zu Hause fühle. Mir kommt der Gedanke, dass Chemnitz wohl offenbar ein ganz gutes Mittelding zwischen Frankfurt und Peru ist. Wild East Germany. Zivilisierte Wildnis an der Zentralhaltestelle. Anscheinend habe ich mich wohl doch schon jahrelang auf die Reise vorbereitet. Ich frage mich, warum die Männer am Frankfurter Flughafen alle so aussehen, als würden sie eine Sendung im Fernsehen moderieren. Da flitzen sie vorbei die ganzen Markus Lanze und Peter Klöppels mit ihren Rollköfferchen. Dort, wo ich mich herkomme, sieht man eher so aus, wie die Leute in den Beiträgen, die von den haargelsüchtigen Rollkofferflitzern moderiert werden. Ich fühle mich ostdeutsch und ich frage mich weiterhin die absurde Frage, ob ich mich in Peru wohl jemals heimischer fühlen könnte als in Frankfurt. Ich schaue mich weiter um und wundere mich, warum zum Teufel Japaner immer alle so nett und freundlich aussehen, selbst wenn sie im Stress sind. Wie geht denn das nur? Ich frage außerdem mich schon die ganze Zeit, warum dieser Frankfurter Flughafen mehr Flirtpotenzial hergibt, als jede mittelgroße Disco, die ich in der Heimat kenne. Verdammt, ich sollte jetzt endlich mit den Fragen aufhören, weniger Anzugtypen anstarren und zum Check-In gehen! [Edit: Der Check-In fördert im Übrigen Schreckliches zutage: Statt der erlaubten 23 kg habe ich ganze 30,5 kg. Aber was sein muss....Die Frau am Schalter ist sehr nett und so komme ich mit "lediglich" 40 Euro für Übergepäck davon.]
Der Punkt, an dem ich das, was hier gerade passiert realisiere, ist an der Passkontrolle. Gute Güte, die Passkontrolle!? Es gibt im Leben wahrscheinlich nichts Unemotionaleres als eine Passkontrolle und keinen unemotionaleren Menschen als einen Passkontrolleur. Passkontrolleure sind misanthropische Arschlöcher, Menschen, die selbst weinende kleine asiatische Waisenkinder abweisen, wenn ihnen ein fitzelig kleiner Stempel im Pass fehlt. Wer kann mich denn jetzt zum Abschied drücken, wenn es der Passkontrolleur offensichtlich nicht tun wird? Und den interessiert es wohl auch nicht, dass ich ein halbes Jahr nicht mehr wiederkomme. Ich stehe also in der Schlange und realisiere: Bald bin ich weg. Es ist irgendwie kein guter und es ist auch kein schlechter Moment. Ich bin bald ganz neutral weg. Trotzdem. Ich muss mich zusammenreißen, nicht zu heulen und frage mich in dem Moment, was verdammt nochmal eigentlich grade mein Problem ist. Steht ja schließlich nicht erst seit heute Morgen fest, dass ich ganz plötzlich (Huch! Überraschung!) das Land verlassen werde. Fazit: Wenn schon der Mann von der Passkontrolle mitleidig schaut und sich ein klitzekleines Lächeln aus seinem emotionslosen Passkontrolleurs-Gesicht windet, weißt du es muss schlimm sein. Ich beschließe, mich erstmal mit einem Chocolate Moccha von Starbucks zu beruhigen. Diese verdammte Starbuchs-Sucht! Aber drauf geschissen, ich bin ein Kind der westlichen Konsumgesellschaft und ihrer unbarmherzigen PR-Strategen. Wenn einer jetzt diese überteuerte Plörre trinken darf, dann ja wohl ich. Ich bin bald in Peru. Ich werde höchstwahrscheinlich bereits nächste Woche das Wort "Starbucks" nicht mal mehr in Buchstaben legen können. Die anschließende Sicherheitskontrolle verläuft irgendwie viel zu easy. Die Tante, die vor dem Monitor sitzt, hat offenbar eine Nebenrolle bei "Berlin - Tag & Nacht" oder ihrem Slang nach zufolge mindestens 500 Folgen "Mitten im Leben" zuviel gesehen und will den Bushido vom Schalter nebenan gerade fürs Wochenende klarmachen. Noch nie wäre die Gelegenheit so günstig gewesen, eine 500ml-Wasserflasche [mit Sprudel!] hier reinzuschmuggeln.
Frankfurt-Madrid
Ganz ehrlich, ich weiß wirklich nicht warum, aber der Fakt, dass ein
offensichtlich schwuler Chilene den Einlass zum Boarding übernimmt,
beruhigt mich ungemein. Dass ich bisher noch nie einen schwulen
Südamerikaner gesehen habe, habe ich irgendwie schon immer sehr dubios
gefunden. [Nun ist natürlich auch dieses riesige Problem in meinem Leben
gelöst worden und ich kann endlich guten Gewissens nach Peru fliegen... :D].
Das Boarding an sich dauert ewig, die Maschine startet mit 45 Minuten
Verspätung und die Tatsache, dass die Maschine als Endziel eigentlich Chile hat (Madrid ist nur ein Zwischenstopp), bedeutet, dass
sehr viele familienfreundliche Chilenen mit sehr vielen
flugunfreundlichen Kleinkindern die Maschine beschallen und mein Gepäck mit einer Wahrscheinlichkeit von geschätzten 99 Prozent wohl am Ende des Tages in Santiago de Chile liegen wird. Neben mir im Flugzeug sitzt ein älterer, gebrechlicher Herr und schon das Hinsetzen hat ihn soviel Kraft gekostet, dass ich bereits jetzt weiß, dass ich mich niemals trauen werde, ihn aufzuscheuchen, um soetwas Belangloses von ihm zu verlangen, wie dass ich mal kurz aufs Klo gehen kann. Auch schön: Exakt hinter mir sitzt Lena Gercke, falls sich unter euch noch einige ehemalige "Germanys Next Topmodel"-Seher der ersten Stunde verstecken sollten. Was soll ich sagen - es gibt Menschen, die sind wirklich unfassbar schön. Ich will eigentlich irgendeinen dummen Spruch bringen und sie ansprechen, aber ihr als ich íhr affektiertes Gequatsche am Handy mitbekomme, widert sie mich irgendwie plötzlich extrem an. Ganz schön abgehoben, die junge Dame. Heidi Klum junior. Nunja. Später telefoniert sie noch mit ihrem Sami Khedira, fragt ihn, wies beim Training war und erzählt unter anderem, dass sie sich grade "50 Shades of Grey" gekauft hat. Wäre ich jetzt ein BILD-Reporter, ich hätte sofort die Schlagzeile "Topmodel-Gewinnerin steht auf versaute Sadomaso-Spiele mit Fussball-Freund" daraus gestrickt. So lache ich gerade einfach nur in mich hinein, weil ich es schon wieder alles viel zu absurd finde.
Viel lieber fange ich anschließend ein Gespräch mit dem sympathischen älteren Herren neben mir an [Die Wahrscheinlichkeit, mit einem Spanier ein gutes Gespräch zu führen, liegt nämlich bei 85 Prozent...zuverlässigen Studien zufolge ;)]. Er ist 86 Jahre alt und kommt aus Barcelona, lebt aber seit vielen Jahren in Madrid. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und über Kriege und er sieht aus wie einer dieser weisen alten Männer, die einfach über alles Bescheid wissen und wahnsinnig viel erlebt haben. [Nice-to-know-Fact: So erfahre ich etwa, dass er in den 30er Jahren Esperanto als Fremdsprache in der Schule gelernt hat und, dass das damals wohl so üblich war ]. Als ich von meinem Auslandssemester erzähle, fragt er (aus Barcelona stammend) mich natürlich was ich von den Katalanen halte. Ich sage den katalanischen Zungenbrecher auf, den ich kenne und zähle auf katalanisch bis zwanzig und schon sind wir die besten Freunde :) Vor der Landung sagt er noch, es sei furchtbar schade, dass ich nicht in Madrid bleiben würde, wir hätten doch so schön über die Gran Vía (die "Herzstraße" von Madrid) schlendern können. Ich merke in dem Moment wieder, wie sehr ich Spanien vermisse, aber die Mission heißt jetzt erstmal: Peru. Die Sonne geht langsam unter und der Tag neigt sich dem Ende, auch wenn ich reisetechnisch noch nicht mal ansatzweise vom Fleck gekommen bin.
Zum Abendbrot gibt es im Flugzeug übrigens irgendetwas Undefinierbares zu essen, was aber viel zu hübsch verpackt war, um es abstoßend zu finden, und dazu ein gutes andalusisches Cruzcampo.
Madrid Flughafen
Als ich in Madrid angekommen auf dem Flughafen-Klo in den Spiegel schaue, freue ich mich plötzlich, dass es beim Fliegen keine Gesichtskontrolle gibt. Irgendwie seh ich untot aus, geplatzte Äderchen deluxe. What the fuck. So würde mich nicht mal ein peruanischer Straßenhund anfallen. Und jetzt heißt es wieder: Warten. Anschlussflug olé! Ich versuche verzweifelt, auf dem Flughafen von Madrid noch eine deutsche Zeitung aufzutreiben. Meine letzte deutsche Lektüre ist schließlich eine "Cosmopolitan", welche die Titelstory "Let´s talk about Sex" beinhaltet und mir die bis dato völlig unbekannte Neuigkeit übermittelt, dass "Frauen von heute ganz offen über Sex sprechen dürfen". Wow. Ich schaue auf das Datum auf dem Cover der Ausgabe. Mmmh, nee, die ist doch nicht von 1968. Für diesen Erkenntnisgewinn bezahle ich 4,10 € und erfahre darüber hinaus, was ich mit Erinnerungsstücken an Ex-Freunde anstellen soll. Hätte ich das Geld mal in einen Starbucks-Kaffee investiert...
In einem Glaskasten bei der anschließenden Sicherheitskontrolle sieht man so allerhand seltsame Dinge, welche den Weg dadurch nicht geschafft haben. Mein Favorit: Ein wirklich riesengroßer Pfannenwender. Ich habe wirklich nicht die geringste Ahnung, warum sich irgendjemand einen XXL-Pfannenwender ins Handgepäck packt, aber gut.
Wir fliegen und fliegen und fliegen. Wir fliegen über einen Canyon und ich frage mich, wo es hier in der Nähe Städte geben soll und wo denn hier bitte ein Flugzeug landen soll :D Dass es hier einen Flughafen gibt, ist irgendwie ziemlich absurd. Hier zu landen ist absurd. In Peru sein ist absurd.
Am kleinesten Gepäckband der Welt warte ich auf meinen Koffer. Und er kommt an!!! :)
Madrid - Lima
Der anschließende Flug nach Lima nervt mich schon, bevor er überhaupt angefangen hat. Ich bin viel zu müde für diese ganze Scheiße hier. Ich hab Hunger. Ich will mehr Cruzcampo. Das einzig Gute ist, dass die liebe Frau vom Check-In im Frankfurter Flughafen mir hier auch wieder einen Fensterplatz gegeben hat und ich mich nicht in diese furchtbare Mittelreihe quetschen muss. Als wir abheben, bin ich ein klein wenig traurig, dass ich nicht ein paar Tage in Madrid verbringen kann. Ich weiß nicht, was diese Stadt in den 24 Stunden, die ich sie damals besucht habe, mit mir gemacht hat. Aber ich will, dass sie es wieder tut. Ich nehme mir ganz fest vor, sie irgendwann noch einmal zu besuchen. Madrid - du und ich, wir haben ein Date! Ich habe Europa noch nicht mal im Ansatz verlassen und habe das Gefühl, ich bin seit mehr als einem Tag unterwegs [dabei sind es "erst" läppische 14 Stunden]. Nach Start und Landung mit LAN-Airlines vorhin in Madrid bin ich übrigens der Meinung, dass eine reelle Möglichkeit besteht, dass ich a) diesen Langstreckenflug nicht überleben werde, b) mein Gepäck niemals ankommen wird oder c) ganz einfach beides eintritt. Mich beruhigt später das unerwartet gute Flugzeugessen [Ravioli mit Lachs gefüllt in Spinatsoße, Käsekuchen mit Himbeerpüree als Dessert]. Als Aftersnack bieten sie einem Kaffee oder Whiskey an. Ist das hier eigentlich eine rhetorische Frage? Die Stewardess macht mir den wahrscheinlich stärksten Whiskey Cola meines Lebens und würde bei jedem auch nur halbwegs ökonomisch arbeitenden Club aufgrund ihrer Freigiebigkeit nach einer Woche gefeuert werden. Ich weiß nicht, ob es am Whiskey liegt, aber das Bordprogramm der Airline ist richtig gut. Ich höre das "Modern Guilt" Album von Beck und Bob Marleys "Legend" gleich zwei Mal nacheinander. Ich habe einfach nur soviel Zeit, die ich jetzt rumbringen muss :D Ich schaue mir gefühlte 20 Kinofilme mit südamerikanischer Synchro an. Ich verstehe zwar fast alles, aber das Spanisch klingt einfach nur...nunja. Für mich irgendwie phonetischer Wortbrei. Ist man das schöne "Spanien-Spanisch" gewöhnt, klingt das wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Dachte ich mir damals bei den meisten Spaniern "Oh wie schön. Red weiter! Ich will dir eigentlich nur zuhören", so denk ich mir hier "Leute..Redet doch bitte bitte mal ordentlich". :D Ich hoffe, ich werde das sehr bald einfach nicht mehr merken. So fliege ich und fliege ich und fliege ich. Der Flug über den brasilianischen Regenwald flasht mich dermaßen, dass ich ihn glatt verschlafe [Es wäre allerdings eh einfach nur finster gewesen ;) ]. Die Frau neben mir fragt mich, wie der Einreiseeintrag nach Peru auszufüllen ist. Ich sehe an ihrem Pass, dass sie Peruanerin ist und ich frage mich wirklich, ob ich meinem Gesicht nach zu urteilen so aussehe, als könnte ich hier irgendjemandem sinnvoll beratend zur Seite stehen. Aber gut.Flughafen Lima
FUCK! Ich bin in Peru! Woooooo, ganz ruhig. Wie absurd ist das denn bitte? In Lima heißt es nun: Nochmal alles einchecken, aber ich habe ja eh noch 2 1/2 Stunden Aufenthalt. Die Passkontrolle dauert ewig, aufs Gepäck warten noch ewiger. Von der berühmten südamerikanischen Freundlichkeit merke ich bis jetzt nicht viel - eher im Gegenteil. Auf dem Weg zum Check-In fühle ich mich bereits "very special" [im Sinne von: Ich falle krass auf] und frage mich, ob ich irgendetwas im Gesicht habe, weil mich alle so anschauen. Den Fakt berücksichtigend, dass der Flughafen von Lima höchstwahrscheinlich noch das Internationalste ist, was dieses Land zu bieten hat, mach ich mich schonmal auf einiges gefasst. Ich beschließe, erst mal eine rauchen zu gehen, um auch mal was von Lima zu sehen ;) Vom Flughafeneingang traue ich mich nicht so wirklich weg [im Sinne von: 1 Meter :D], woraus sich aber zumindest eine Unterhaltung mit Ronald, einem Airport-Security, ergibt. Er verabschiedet mich am Ende mit den Worten "Cuidate mucho!" (Pass gut auf dich auf!) und hofft, wir sehen uns zu meinem Abflug in Lima wieder. Als ich mit einer Rolltreppe zur Sicherheitskontrolle hochfahre, sehe ich ein Plakat, auf dem "Todo va a estar bien" (Alles wird gut) steht. Das muss doch ein Zeichen sein :)In einem Glaskasten bei der anschließenden Sicherheitskontrolle sieht man so allerhand seltsame Dinge, welche den Weg dadurch nicht geschafft haben. Mein Favorit: Ein wirklich riesengroßer Pfannenwender. Ich habe wirklich nicht die geringste Ahnung, warum sich irgendjemand einen XXL-Pfannenwender ins Handgepäck packt, aber gut.
Lima - Arequipa
Mein Flug geht am Gate 13. Na fein! Husthust. Egal. In Deutschland ist es jetzt so 14 Uhr, in Peru noch nicht mal 7 Uhr früh. Ein neuer Tag beginnt, obwohl der alte für mich gefühlt nie zu Ende gegangen ist. Ich bin irgendwie grad echt fertig und merke, dass das ganze Zuggefahre und Gefliege dann doch seine Spuren hinterlassen hat. Zum anschließenden Flug nach Arequipa kann ich nicht viel sagen, außer: Ich trinke Inca Kola. LOL. :D Das Konkurrenzprodukt zur Coca Cola hat eine..mmmh...sagen wir mal krasse Farbe und schmeckt in etwa wie verflüssigte Gummibärchen. Das kleine eingepackte Ding daneben entpuppt sich anschließend als das beste Karamell-Bonbon, was ich je gegessen habe.. :)Wir fliegen und fliegen und fliegen. Wir fliegen über einen Canyon und ich frage mich, wo es hier in der Nähe Städte geben soll und wo denn hier bitte ein Flugzeug landen soll :D Dass es hier einen Flughafen gibt, ist irgendwie ziemlich absurd. Hier zu landen ist absurd. In Peru sein ist absurd.
Am kleinesten Gepäckband der Welt warte ich auf meinen Koffer. Und er kommt an!!! :)
Ich werde anschließend vom Flughafen abgeholt. Die Taxifahrt ins Büro ist für mich zumindest ein Abenteuer. Es gibt keine Ampeln, es gibt keine Verkehrszeichen. Jeder fährt wie er will und irgendwie funktioniert das auch noch, obwohl es wirklich sehr sehr sehr eng zugeht. Ich schaue aus dem Fenster und finde es noch krasser als erwartet :D Wir (Chef/Mitpraktikantin/alte Praktikantin) gehen anschließend erstmal frühstücken/Mittagessen. Es stellt sich heraus, dass ich mit meinem 183-tägigen Visum den absoluten Rekord gebrochen habe. Angeblich hat noch nie jemand, weder die Praktikanten noch Mitarbeiter, bei Einreise ein so langes Visum bekommen. Yeah! Keine Ahnung, wie ich das wieder gemacht habe, aber naja, irgendwas muss ich ja auch können :D
SO. Das wars bis hierhin erstmal. Mehr kann ich grad nicht schreiben, weil ich gleich auch wieder losmuss :) Was dann alles danach passiert ist, schreib ich im nächsten Blog-Eintrag, aber:
In der nächsten Folge erwartet sie...............Romy H. bricht bereits am ersten Abend mit der geplanten Alkoholabstinenz in Peru.
Ich drück euch, danke euch nochmal für alle lieben "Gute Reise"-Nachrichten und hoffe, es geht euch allen gut!!!!!!!!!!!
Romy







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