Ich kann es selber immer noch nicht fassen, was da mit mir passiert ist. Es war ein eigentlich ein sehr schöner Abend gestern. Erst waren wir zum "Oktoberfest" in einem Hostel von Arequipa, danach zu Hause bei Fernando, dem Kumpel von Anja meiner Mitpraktikantin und anschließend noch im "Deja Vu", einer Disco mitten im Zentrum, die zwar irgendwie schlecht war, aber dennoch war der Abend wahnsinnig gut und sehr lustig. Die letzte Woche bin ich hier wirklich sehr glücklich gewesen mit allem wie es ist. Eigentlich war alles perfekt, dachte ich mir noch so in diesem Moment. Eigentlich perfekt. Irgendwann so gegen 4 hab ich dann gesagt, ich geh jetzt, woraufhin Victor [ein guter Freund von Fernando], mit dem ich mich eh schon einige Zeit unterhalten hatte, meinte, er würde mich nach Hause bringen. Ich habe noch genau das Bild vor mir, wie wir da lang laufen. Die Straßen waren voll mit Menschen, ein absolut krasser Verkehrsauflauf, viel los. Ich sage noch zu Victor "Wow, krass! Ist hier um diese Uhrzeit immer soviel los?".
Ich wohne direkt am Zentrum. Ich hätte mir selbst für diesen kurzen Weg ein Taxi genommen, eben weil ich bezüglich der Sicherheit hier besonders vorsichtig gewesen bin. Aber da Victor mit dabei war, ein Medizinstudent, der eigentlich relativ vertrauenswürdig gewirkt hat, der von hier stammt, sich auskennt und es wirklich nur ein kurzer Weg war, hab ich gedacht, das wäre wohl ok. Zumal ich insgeheim irgendwie auch froh war, mir nicht selber ein Taxi suchen zu müssen, weil alleine Taxi fahren ja hier auch so ein Wagnis ist. Wir laufen eine Seitenstraße herunter und unterhalten uns. Da fuhren Autos, da waren vereinzelte Menschen, es war nicht einmal eine dieser Straßen, bei denen man schon so ein ungutes Gefühl in der Bauchgegend hat. Es war eine ganz normale Straße. Beleuchtet, nicht menschenleer, direkt im Zentrum von Arequipa. Ich kann mich nur noch an das Reifenquietschen erinnern, da war dieses Reifenquietschen ja und ich schaue zur Seite und sehe auf einmal wie sich ein Typ weit aus dem Auto hängt und meine Tasche greift. Das ging alles so rasend schnell, aber es kommt mir gerade vor, als hätte sich jede einzelne Milisekunde bei mir eingebrannt. Ich hatte meine Tasche nicht nur über der Schulter hängen, sondern direkt quer über der Brust drüber, dass sie mir niemand wegreißen kann [...ich bin ja wirklich schon immer vorsichtig gewesen hier..ich weiß wirklich nicht mehr, was ich noch hätte tun sollen]. Aber das hat die Typen gar nicht interessiert, dass ich da noch an der Tasche hänge. Ich habe meine Tasche außerdem auch nicht gleich losgelassen, ich wusste ja gar nicht richtig, was da gerade abgeht und ich wusste nur spontan, dass ich mein Zeug auf keinen Fall irgendwelchen Dieben überlassen will, mein Handy, meine Schlüssel, mein Portemonnaie. Das war irgendwie einfach so ein Instinkt, seine Tasche festzuhalten und man hatte auch gar keine Zeit über irgendwas nachzudenken, irgendeine Form von Risikoanalyse oder irgendsoetwas zu betreiben. Zunächst einmal weißt du überhaupt gar nicht, was hier Phase ist, alles geht so rasend schnell, dass du es gar nicht begreifen, einordnen oder wasauchimmer kannst. Du begreifst es einfach nicht.
Ich wohne direkt am Zentrum. Ich hätte mir selbst für diesen kurzen Weg ein Taxi genommen, eben weil ich bezüglich der Sicherheit hier besonders vorsichtig gewesen bin. Aber da Victor mit dabei war, ein Medizinstudent, der eigentlich relativ vertrauenswürdig gewirkt hat, der von hier stammt, sich auskennt und es wirklich nur ein kurzer Weg war, hab ich gedacht, das wäre wohl ok. Zumal ich insgeheim irgendwie auch froh war, mir nicht selber ein Taxi suchen zu müssen, weil alleine Taxi fahren ja hier auch so ein Wagnis ist. Wir laufen eine Seitenstraße herunter und unterhalten uns. Da fuhren Autos, da waren vereinzelte Menschen, es war nicht einmal eine dieser Straßen, bei denen man schon so ein ungutes Gefühl in der Bauchgegend hat. Es war eine ganz normale Straße. Beleuchtet, nicht menschenleer, direkt im Zentrum von Arequipa. Ich kann mich nur noch an das Reifenquietschen erinnern, da war dieses Reifenquietschen ja und ich schaue zur Seite und sehe auf einmal wie sich ein Typ weit aus dem Auto hängt und meine Tasche greift. Das ging alles so rasend schnell, aber es kommt mir gerade vor, als hätte sich jede einzelne Milisekunde bei mir eingebrannt. Ich hatte meine Tasche nicht nur über der Schulter hängen, sondern direkt quer über der Brust drüber, dass sie mir niemand wegreißen kann [...ich bin ja wirklich schon immer vorsichtig gewesen hier..ich weiß wirklich nicht mehr, was ich noch hätte tun sollen]. Aber das hat die Typen gar nicht interessiert, dass ich da noch an der Tasche hänge. Ich habe meine Tasche außerdem auch nicht gleich losgelassen, ich wusste ja gar nicht richtig, was da gerade abgeht und ich wusste nur spontan, dass ich mein Zeug auf keinen Fall irgendwelchen Dieben überlassen will, mein Handy, meine Schlüssel, mein Portemonnaie. Das war irgendwie einfach so ein Instinkt, seine Tasche festzuhalten und man hatte auch gar keine Zeit über irgendwas nachzudenken, irgendeine Form von Risikoanalyse oder irgendsoetwas zu betreiben. Zunächst einmal weißt du überhaupt gar nicht, was hier Phase ist, alles geht so rasend schnell, dass du es gar nicht begreifen, einordnen oder wasauchimmer kannst. Du begreifst es einfach nicht.
Dann sind sie einfach weitergefahren. Sie sind einfach weitergefahren und haben mich neben dem Auto hergeschleift. Ich habe meine Schuhe verloren, meine Strumpfhosen hat es an den Fersen komplett aufgerissen und irgendwann hatte ich nur noch das Gefühl, ich kriege keine Luft mehr, weil mir der Umhängegurt meiner Tasche, die ich ja noch umhatte, den Hals abgeschnürt hat. Ich kann diesen Schockzustand, in dem ich mich da befunden habe, eigentlich gar nicht richtig beschreiben. Ich kann es nicht annähernd beschreiben. Ich kann auch nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, eine Straße langgeschleift zu werden. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich nicht losgelassen hätte. Ich will nicht wissen, was passiert wäre. Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn ich mit dem Kopf irgendwo aufgeschlagen wäre. Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn meine Haare unter das Hinterrad gekommen wären. Ich will es mir nicht ausmalen. Es übersteigt mein komplettes Vorstellungvermögen, meine gesamte Empathie, mein Verständnis von Menschen, meinen Glauben in Menschen, was da gestern passiert ist. Dass jemand wegen einer Tasche, einer beschissenen Tasche, in der sich vielleicht nur ein paar Cent befinden, deine Gesundheit aufs Spiel setzt. Das, was da gestern oder besser gesagt heute früh passiert ist, hat mich tief getroffen, wirklich und ich weiß noch nicht so ganz, wie ich damit umgehen soll.
Ich weiß nur noch, wie Victor angerannt kommt, mich von der Straße aufsammelt und "Estás bien??? Estás bien???" stammelt. Dann haben wir uns erstmal umarmt und angefangen zu heulen. Ich weiß nur noch, wie mich die anderen Leute alle schockiert anstarren, irgendwelche Fußgänger, irgendwelche Taxifahrer, irgendein Parkplatz-Bewacher ankommt und mich fragt, ob alles in Ordnung ist. Und ich weiß nur noch, wie ich diesen Geschmack von Dreck im Mund habe, kleine Steinchen von der Straße. Ich habe zu Victor gesagt, dass ich nur noch nach Hause will, aber er hat gesagt, wir fahren jetzt entweder zur Polizei (wollte ich nicht), ins Krankenhaus (wollte ich nicht) oder zu ihm nach Hause. Er hat die ganze Fahrt über auf sein Armaturenbrett eingeschlagen und abwechselnd "Puta mierda" und "Hijos de puta" geschrien. Der Gute war mit den Nerven ebenfalls total am Ende. Als wir dann bei ihm zu Hause waren, hat er seine Eltern geweckt, rumgeflucht und aus Wut und Hoffnungslosigkeit auf irgendwelche Wände des Wohnzimmers eingeschlagen. Ich saß auf dem Stuhl in irgendeinem Wohnzimmer irgendwo in Arequipa bei irgendwelchen Eltern irgendeines Typen, den ich vor knapp acht Stunden das erste Mal gesehen hatte. Es war absurd. Der beeindruckendste Moment war eigentlich, als Victor nach all dem Rumgeschreie und Auf-Dinge-Eingeschlage vor mir auf die Knie gegangen ist, meine Hand genommen hat und gesagt hat "Du weißt nicht, wie leid es mir tut. Du weißt nicht, wie leid es mir tut. Es ist meine Schuld. Ich hätte besser auf dich aufpassen müssen. Das ist meine Schuld. Das hätte niemals passieren dürfen. Bitte, bitte bitte verzeih mir". Heulend hat da dieser erwachsene Mann vor mir auf dem Boden gekniet, mit der Stirn auf meinen Händen und "Perdoname. Perdoname." geschluchzt. Wenn Männer - und dann noch machohafte peruanische - anfangen zu weinen, dann weißt du: Die Lage ist ernst.
Seine Eltern kamen dann in Schlafklamotten runter, total irrtiert ("Que pasa, hijito???") und dann sahen sie da dieses deutsche Mädchen dreckig und verwirrt in ihrem Wohnzimmer sitzen. Ich sah aus. Als wäre ich durch einen Kamin gefallen. Zerfetzte Strumpfhose, zerfetztes Kleid. Die Mutti hat mich dann erstmal gefragt, was passiert ist und hat anschließend all meine kleinen Verletzungen gesäubert und desinfiziert, da sie praktischerweise eh Krankenschwester war. Seine Eltern waren wirklich sehr sehr nett. Die Mutti meinte dann, es ist besser, wenn ich dort schlafe und hat mir ein Nachthemd gegeben, mir das Bett gemacht und sich ganz lieb um mich gekümmert. Sie war auch wirklich sehr nett und es war eigentlich auch alles ok, aber dann als ich da später so alleine in diesem Zimmer lag, die Sonne ging schon auf, hab ich sowas von angefangen zu heulen. Ich hab mich nicht mehr eingekriegt. Das lag zum einen an dem Sachverhalt an sich, zum anderen an der Sache, dass die letzte SMS, die ich an diesem Abend meiner Kollegin Kristina geschrieben hatte, meine Adresse beinhaltet hat. Da war dieser Gedanke: Die haben meine Schlüssel, die haben mein Handy - und dann diese letzte SMS mit meiner Adresse. Ich habe mir ausgemalt, wie während ich da in dieser fremden Wohnung liege, die noch in Zimmer einbrechen, meinen Laptop klauen und mir noch komplett die Bude ausräumen. Nachdem ich ca. eine halbe Stunde nicht mehr aufhören konnte zu heulen, ging dann die Tür auf und die Mutti hat gefragt, was sie für mich tun können und ob ich in mein Hostel will.
Dann haben mich die Eltern nach Hause gefahren, es war hell, Arequipa wirkte so friedlich, so, als könnte hier niemals so etwas geschehen, wie es geschehen ist. Ich saß in dem Auto wie ein Häufchen Elend. Dazu erzählte mir der Vater noch irgendwelche Horrorgeschichten von anderen Überfällen, irgendeinem Mädchen, die bei so einer Überfallnummer ganz dumm aufgekommen ist und daher gestorben sei und meinte, ich müsse hier sehr aufpassen [Haha...? Was soll ich noch tun....?]. Im Hostel angekommen haben sie dann Bart (kein Plan wie sein richtiger Name ist), einem Typen, der hier arbeitet, die Lage erklärt. Als sie wieder gefahren sind, habe ich gleich nochmal nen Heulanfall bekommen und dann hat mich sogar noch der Typ vom Hostel umarmt. Ich bin anschließend 7 Uhr früh ins Bett gegangen. 2 Stunden später hat es dann noch an der Tür geklopft und Bart hat mir einen riesigen Teddy in die Hand gedrückt, damit "ich keine Angst mehr habe und nicht mehr traurig bin".
Dann haben mich die Eltern nach Hause gefahren, es war hell, Arequipa wirkte so friedlich, so, als könnte hier niemals so etwas geschehen, wie es geschehen ist. Ich saß in dem Auto wie ein Häufchen Elend. Dazu erzählte mir der Vater noch irgendwelche Horrorgeschichten von anderen Überfällen, irgendeinem Mädchen, die bei so einer Überfallnummer ganz dumm aufgekommen ist und daher gestorben sei und meinte, ich müsse hier sehr aufpassen [Haha...? Was soll ich noch tun....?]. Im Hostel angekommen haben sie dann Bart (kein Plan wie sein richtiger Name ist), einem Typen, der hier arbeitet, die Lage erklärt. Als sie wieder gefahren sind, habe ich gleich nochmal nen Heulanfall bekommen und dann hat mich sogar noch der Typ vom Hostel umarmt. Ich bin anschließend 7 Uhr früh ins Bett gegangen. 2 Stunden später hat es dann noch an der Tür geklopft und Bart hat mir einen riesigen Teddy in die Hand gedrückt, damit "ich keine Angst mehr habe und nicht mehr traurig bin".
Ich habe dann heute Nachmittag nach dem Aufstehen anschließend bei Raoul geklopft und ihm alles erzählt. Er hat mir gesagt, er begleitet mich zum Geld-Holen [Ich kann nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich meine Kreditkarte noch habe...!!!!! Aber abgesehen davon, dass ich sie besitze: ich hätte wirklich nicht gewusst, wie ich heute hätte alleine Geld holen sollen...ich hätte mich einfach nicht getraut...], wir gehen einen Kaffee trinken und anschließend ins Kino, um mich irgendwie abzulenken. Als wir dann heute Nachmittag gemeinsam die Tür des Hostels verlassen haben, habe ich erstmal angefangen zu heulen, weil ich so Angst hatte, die Straße langzugehen. Unsere Straße ist nämlich so schmal, dass die Autos ganz dicht an dir vorbeifahren. Ich war heute wirklich nicht in der Lage normal zu denken und zu handeln. Ich habe Angst gehabt, durch die Straßen zu gehen, obwohl Raoul da war und obwohl ich noch nicht mal mehr etwas an mir gehabt habe, was man mir hätte klauen können. Ich habe mich nicht mal mehr richtig getraut, den Leuten ins Gesicht zu schauen. Ich hatte schon viele Ängste in meinem Leben, glaubt mir, aber die Angst vor vorbeifahrenden Autos hätte ich mir nicht mal im Traum ausmalen können. Die bloße Vorstellung, dass ein Auto neben mir anhält und mir jemand was wegreißt und dass sowas nochmal passiert, reicht bereits aus, um mich zum Heulen zu bringen. Die bloße Vorstellung, dass diese Typen meine SMS durchschauen und wissen, wo ich wohne, macht mich wahnsinnig. Wir müssen jetzt wahrscheinlich das Schloss von der Haupteingangstür zum Hostel wechseln lassen und ich hoffe, damit hat sich die Sache gegessen. Aber diese Angst, dazu noch die Kosten für neue Tasche, Portemonnaie, Handy, Schlüssel nachmachen, Schloss austauschen - es kotzt mich so an [aber in dem Fall ist das Geld letztlich unwichtig]. Und ich kann nicht sagen, wie froh ich bin, dass Raoul da ist, wenn ich jetzt alleine hier wohnen würde - ich glaub, ich wäre heute wirklich verzweifelt. Außerdem habe ich heute meinen ersten peruanischen Kinobesuch absolviert - stilecht mit Chicha Morada und einer XXL-Portion salzigem Popcorn.
Ich weiß nicht, wem ich dafür danken kann, dass mir so wenig passiert ist. Ich habe wirklich einen Schutzengel gehabt. Und Gott sei Dank (!!!) habe ich gestern eine grüne dicke Plüsch-Kuscheljacke getragen, die wirklich sehr viel abgefangen hat. Gott sei Dank. Eigentlich ist ein kleines Wunder. Im Gesicht habe ich nicht mal einen Kratzer abbekommen. Schürfwunden an Händen, Ellbogen, Rücken sind da eigentlich nicht der Rede wert. Das Schlimmste sind eigentlich meine Füße, die tun echt scheiße weh, aber ich will mich nicht beklagen, es hätte soviel schlimmer kommen können. In diesem Sinne: Teddy und ich versuchen jetzt erstmal, den Schock zu verarbeiten. Was mir eventuell ein klein wenig zu Gute kommt, ist dass ich mich bereits seit meiner Ankunft versucht habe, mental auf einen Überfall vorzubereiten. Nichtsdestotrotz schockiert mich das Ausmaß dessen dann doch. Ich weiß jetzt grad noch nicht, wie es weitergehen soll. Mir gefällt es hier in Arequipa sehr gut, ich war bis gestern sehr glücklich....aber ich weiß noch nicht genau, wie es hier in Zukunft werden soll. Schauen wir mal...ich sollte erstmal dringend ins Bett, morgen ruft die Arbeit.
Willkommen in Südamerika abseits des Gruppentourismus, das ist die dunkle Seite.
Wir lesen uns und mir gehts gut soweit, Romy
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P.S. In meiner Tasche haben sich im Übrigen an reinem Bargeld umgerechnet 6-10 Euro befunden...es ist lächerlich. Lächerlich.
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