Ich bin noch nicht mal 48 Stunden in Peru. Ich habe mir einen Poncho gekauft, Pisco Sour und Coca-Tee getrunken. Noch Fragen? Bisher fahre ich also die volle Touri-Schiene und erfreue ich mich an all den neuen und unbekannten Dingen, wie man das eben als Landesunkundiger anfangs so tut. Aber dass ich hier ein halbes Jahr bleiben werde, das fühlt sich doch noch sehr unwirklich an.
Ernsthaft Leute, also es gibt hier soviele Eindrücke, dass ich grade gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. Naja, immerhin eins weiß ich bereits jetzt: Essenstechnisch werde ich in Peru sehr sehr glücklich :) Heute habe ich etwa eins der für Arequipa typischen Gerichte mit dem klangvollen Namen "Ocopa Arequipeña" probiert: Kalte Kartoffeln in scharfer Erdnussoße mit gekochten Eiern, Tomatenscheiben und schwarzen Oliven. Und: Ich weiß nicht warum, aber die Peruaner machen unglaublich gute Crepes. Es gibt hier Crepes in tausend Varianten und als wir gestern Mittagessen waren, habe ich sogar einen Vollkorn-Crepe mit Pesto und Hähnchen bekommen. Ein Vollkorn-Crepe! Dafür muss man Peru ja wohl lieben ;) Heute war ich im Übrigen mit meiner Mitpraktikantin in der Markthalle von Arequipa und hab mir einen Obstsalat mit Honig gegönnt, welcher für mich dem Wort "Obstsalat" eine völlig neue Bedeutung verliehen hat. Diese Ananas! Diese Mango! Diese Papaya! Diese Honigmelone! Und überhaupt, Früchte, von denen ich in meinem ganzen Leben noch nie was gehört habe, aber die einfach unfassbar gut geschmeckt haben. Ein Traum!
Die Peruaner haben ansonsten, was Essen und Trinken betrifft, ganz offensichtlich ein Faible dafür, für unseren westlichen Gaumen schier unglaublich scheinende Dinge miteinander zu kombinieren. Ein Beispiel: Ein Mixgetränk, welches unter anderem die Zutaten Bier, Milch und Eier enthält, zu kreieren, ist ziemlich mutig, wenn nicht gar wahnsinnig! Also, ich habe ehrlich gesagt schon nach einer "Michelada" [Bier, Limonensaft und Salz] gestern meine Experimentierfreude, was Mischungen mit Bier betrifft, aufgegeben, denn bereits das hat wirklich sehr.............gewöhnungsbedürftig.......[und das ist das netteste Wort, was ich dafür finden kann] geschmeckt. Und ich habe meinen ersten Pisco Sour, sozusagen DAS Nationalgetränk, probiert und was soll ich sagen?! Das war wirklich unfassbar gut!!! Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ein Cocktail, in dem sich Eiweiß befindet, so dermaßen lecker sein kann ;) Apropos "im Leben nie gedacht". Ich hätte ebenfalls im Leben nie gedacht, dass irgendjemand auf diesem Planeten ernsthaft auf die Idee kommt, einen Cocktail auf der Karte "Bin Laden" zu nennen ["Ich hätte gern einen `Bin Laden`". -> Absurde Vorstellung]. Insgesamt muss ich sagen: Dafür, dass ich der felsenfesten Überzeugung war, dass ich hier ein halbes Jahr beinahe alkoholabstinent leben werde, ist es einigermaßen bizarr, dass ich bereits innerhalb der ersten 24 Stunden in einer Bar gewesen bin :D [Anlass war, dass wir - Chef, Mitpraktikantin und ich - zwecks Willkommensgetränk gestern Abend in zwei Bars der Stadt gewesen sind].
Es gibt hier, wie bereits zu erwarten war, unglaublich schöne Stricksachen. Socken, Pullover, Handschuhe, Schals, Mützen, Taschen, selbst gestrickte Flaschenhalter - ich könnte mir tausend Dinge kaufen. [Ich werde mir vemutlich auch tausend Dinge kaufen]. Mein erstes gekauftes Kleidungsstück in Peru war heute - Surprise, Surprise - ein Poncho! :) Tipp für alle an euch mit ein paar kleinen Geldproblemchen: Auch für einen Banküberfall sind die peruanischen Strickwaren bestens geeignet!
Nochmals ein Wort zum Straßenverkehr hier, weil er mich noch immer fasziniert. Das Wort ist: "WAS?!". Also, ich hatte mich ja wirklich schon darauf gestellt, dass das etwas anders abläuft. Aber Autofahren in Peru scheint die absolute Königsdisziplin zu sein. Kreuzungen sind kaum durch Ampeln oder Schilder geregelt, was
zur Folge hat, dass einfach ein Knäuel von Autos da steht, sich
gegenseitig behindert und anhupt. Blinken is auch nich, Spuren werden einfach spontan
gewechselt, um den anderen sich auftuenden Hindernissen auszuweichen. Wie dieser Verkehr
hier funktioniert, das ist mir nach wie vor schleierhaft! Aber: Er funktioniert! :) Zebrastreifen dürfen im Übrigen keinesfalls ernst genommen werden und sind reine Deko. Da es aber meist keine Fußgängerampeln gibt, ist die Straße überqueren ein recht langwieriger Prozess, an dessen Ende ich dann froh bin, blond zu sein, da ich immerhin diesen Joker ziehen kann, um vielleicht ein wenig mehr gesehen und nicht überfahren zu werden ;)
Ich wohne zur Zeit in einem Zimmer im Bürogebäude, welches sich in einem richtig guten Viertel der Stadt befindet. [Ich frage mich wirklich, wie es in den Armenvierten der Stadt
aussieht, bin aber zumindest jetzt der Meinung, dass ich das trotz aller
sozialen Kompetenz und Empathie auch gar nicht herausfinden möchte]. Im Vergleich zu den anderen Gebäuden, die man hier zum Teil sieht, ist das Büro ein wahrer Prachtbau. Direkt vorm Haus gibt es ein kleines Wachhäuschen und es gibt hier auch eine
Tag- und Nachtwache mit dem Special-Gimmick eines Schlagstocks. Als ich heute aus dem Haus gekommen bin, hab ich mich echt kurz erschrocken, weil ich ihn auf den ersten Blick überhaupt nicht als Securitytypen identifizieren konnte. Das Büro ist eingezäunt, die Haustür hat zwei Extraschlösser
und es gibt eine Alarmanlage. Um euch auch akustisch ein Bild von dem zu vermitteln, was hier vor sich geht: Es gibt, wenn ich in meinem Zimmer bin, zwei vorherrschende Geräusche aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Ausgelöste Alarmanlagen und Hundegebell. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, welchen Soundeffekt ich lieber mag. Ich muss in den nächsten zwei Wochen unbedingt ein Zimmer finden und ich habe ehrlich gesagt noch keinen blassen Schimmer, wie ich das anstellen soll geschweige denn in welchem Viertel dieser Stadt ich mit gutem Gewissen leben kann.
Obwohl ich mich bisher nur im Stadtzentrum oder im Viertel des Büros bewegt habe, kann ich wirklich nicht behaupten, dass ich mich hier so richtig sicher fühlen würde. Nicht bedroht oder gefährdet, aber es ist eben so ganz anders als in Europa bzw. Deutschland. Es ist auch nicht so, dass einen hier jemand bedrängen würde, aber da ist immer diese unterschwellige Angst und diese ganz bewusste Vorsicht. Überhaupt: Man muss bei allem, was man tut so viel mehr nachdenken und viel bewusster handeln. Man schaut sich immer zweimal um. Wenn man seine Kamera rausholt, dann versucht man möglichst schnell und unauffällig ein Bild zu machen und sieht sich danach noch mal um. Man schaut immer wieder nach, ob die Kreditkarte noch da ist. Man darf seine Tasche nicht irgendwo abstellen, wenn man im Restaurant sitzt und überhaupt hat man beinahe intuitiv ständig eine Hand an derselbigen, alleine schon aus Präventionsgründen. Man muss plötzlich überlegen, wie man sich anzieht. Man muss viel mehr auf Hygiene achten, was Lebensmittel betrifft. Man muss aufpassen, dass Wasserflaschen noch geschlossen sind, damit nicht einfach nur abgefülltes Leitungswasser drin ist. Etcetera, etcetera. Man ist gezwungen, ständig sooooo viel nachdenken. Es ist einfach grad noch ein wenig anstrengend für jemanden, der es anders gewohnt ist ;) Denn es sind halt immer wieder diese Kleinigkeiten und die Dinge des Alltags, bei denen dir bewusst wird, dass du dich hier gerade in einem ganz anderen Kosmos bewegst. Ich habe z.B. gestern Abend Geld gebraucht, aber ich habe mich einfach nicht getraut, alleine zum Geldautomaten zu gehen, weil der eine Straße weiter ist und es bereits dunkel und relativ spät war. Es klingt wirklich lächerlich, aber so war es. Oder: Du steigst in ein Taxi ein und der Fahrer verriegelt plötzlich von innen die Türen. Das sind dann so die Momente, in denen du merkst: Stimmt ja. Ich bin in Südamerika ;) Es ist also gar nicht so, dass irgendetwas Konkretes passieren würde, aber es sind immer wieder diese Sicherheitsmaßnahmen um dich herum, die dich niemals vergessen lassen, wo du hier bist. Mein absoluter Favorite ist aber immer noch: Sobald es dunkel wird, solltest du als Frau nicht mehr alleine auf die Straße gehen. Dieses ganz bewusste Nachdenken und Realisieren ("Oh, die Sonne ist untergegangen. Ach, na eben, klar! Ich bin ja eine Frau = Ich kann nicht mehr alleine rausgehen"), ist noch so verdammt seltsam für mich. Der Clou ist zudem: Dunkel wird es hier ziemlich früh und zwar um genau sein 18 Uhr. Das stellt mich allerdings etwas vor ein logistisches Problem. Morgen geht mein Praktikum los, bei dem ich voraussichtlich bis 17 Uhr arbeiten werde. 17.30 geht die Sonne langsam unter. Ich hab also ungefähr eine Stunde "Ausgang", um per Fuß Dinge zu erledigen, wie einzukaufen oder organisatorische Dinge außerhalb der Arbeit zu klären. Schönes Ding. Klar, kann man eventuell im Block um die Ecke noch im Supermarkt einkaufen gehen [wenn man sich traut :D] und natürlich kann man sich auch einfach immer ein Taxi nehmen, um abends von A nach B zu kommen [mit dem Taxi zum Supermarkt - gehts noch dekadenter? ;)]. Aber irgendwie sind das alles Dinge, an die du in Deutschland nicht einen Gedanken verschwenden würdest! Alleine die Vorstellung, dass ich mir jemals in den Wintermonaten in Deutschland gegen 18 Uhr die Frage stellen würde: "Oha. Es ist dunkel! Oh nein! Ich wollte doch eigentlich noch zu "Netto" gehen. Was mach ich denn jetzt?" ist so vollkommen abwegig. Und was mich bereits jetzt aufregt, ist die Sache mit dem Klopapier :D Es gibt beinahe immer nur eine Klopapierrolle im Vorraum der Toiletten, von der du dir ein paar Blättchen abreißen darfst. Selbst beim aufs Klo gehen musst du hier also im Vorfeld nachdenken, wieviel Klopapier du wohl benötigen wirst. Mann, Mann, Mann. Am ehesten könnte man das hier wohl mit dem Wort Festivalfeeling beschreiben: Du hast kein Trinkwasser aus der Leitung, warmes Wasser ist auch keine Selbstverständlichkeit, überall ist Musik, es gibt Crepes und Klopapier ist ein Luxus. Ja, Arequipa ist offenbar ein riesengroßes Festival! Es ist dreckig, es stinkt, Müll liegt rum. Aber es gibt hier [ich fass es immer noch nicht!] unglaubliche drei Starbucks-Filialen!!! Bitte, was?! Völlig schizophren diese Stadt. Ebenso krass: Es gibt die total runtergerockten Baracken, aber auf der anderen Seite den atemberaubend schönen Hauptplatz der Stadt, den Plaza de Armas, der mit seinen riesigen Palmen und dem Brunnen wie eine kleine Oase inmitten von Arequipa wirkt.
Ich weiß irgendwie auch noch nicht so recht, was ich von dieser Stadt halten soll. Es ist irgendwie wie der Beginn einer Beziehung: Irgendetwas fasziniert dich an dem anderen, alles ist unglaublich spannend und so langsam beginnst du, dich besser kennenzulernen.
Gestatten: Romy - Arequipa. Arequipa - Romy.
Obwohl ich mich bisher nur im Stadtzentrum oder im Viertel des Büros bewegt habe, kann ich wirklich nicht behaupten, dass ich mich hier so richtig sicher fühlen würde. Nicht bedroht oder gefährdet, aber es ist eben so ganz anders als in Europa bzw. Deutschland. Es ist auch nicht so, dass einen hier jemand bedrängen würde, aber da ist immer diese unterschwellige Angst und diese ganz bewusste Vorsicht. Überhaupt: Man muss bei allem, was man tut so viel mehr nachdenken und viel bewusster handeln. Man schaut sich immer zweimal um. Wenn man seine Kamera rausholt, dann versucht man möglichst schnell und unauffällig ein Bild zu machen und sieht sich danach noch mal um. Man schaut immer wieder nach, ob die Kreditkarte noch da ist. Man darf seine Tasche nicht irgendwo abstellen, wenn man im Restaurant sitzt und überhaupt hat man beinahe intuitiv ständig eine Hand an derselbigen, alleine schon aus Präventionsgründen. Man muss plötzlich überlegen, wie man sich anzieht. Man muss viel mehr auf Hygiene achten, was Lebensmittel betrifft. Man muss aufpassen, dass Wasserflaschen noch geschlossen sind, damit nicht einfach nur abgefülltes Leitungswasser drin ist. Etcetera, etcetera. Man ist gezwungen, ständig sooooo viel nachdenken. Es ist einfach grad noch ein wenig anstrengend für jemanden, der es anders gewohnt ist ;) Denn es sind halt immer wieder diese Kleinigkeiten und die Dinge des Alltags, bei denen dir bewusst wird, dass du dich hier gerade in einem ganz anderen Kosmos bewegst. Ich habe z.B. gestern Abend Geld gebraucht, aber ich habe mich einfach nicht getraut, alleine zum Geldautomaten zu gehen, weil der eine Straße weiter ist und es bereits dunkel und relativ spät war. Es klingt wirklich lächerlich, aber so war es. Oder: Du steigst in ein Taxi ein und der Fahrer verriegelt plötzlich von innen die Türen. Das sind dann so die Momente, in denen du merkst: Stimmt ja. Ich bin in Südamerika ;) Es ist also gar nicht so, dass irgendetwas Konkretes passieren würde, aber es sind immer wieder diese Sicherheitsmaßnahmen um dich herum, die dich niemals vergessen lassen, wo du hier bist. Mein absoluter Favorite ist aber immer noch: Sobald es dunkel wird, solltest du als Frau nicht mehr alleine auf die Straße gehen. Dieses ganz bewusste Nachdenken und Realisieren ("Oh, die Sonne ist untergegangen. Ach, na eben, klar! Ich bin ja eine Frau = Ich kann nicht mehr alleine rausgehen"), ist noch so verdammt seltsam für mich. Der Clou ist zudem: Dunkel wird es hier ziemlich früh und zwar um genau sein 18 Uhr. Das stellt mich allerdings etwas vor ein logistisches Problem. Morgen geht mein Praktikum los, bei dem ich voraussichtlich bis 17 Uhr arbeiten werde. 17.30 geht die Sonne langsam unter. Ich hab also ungefähr eine Stunde "Ausgang", um per Fuß Dinge zu erledigen, wie einzukaufen oder organisatorische Dinge außerhalb der Arbeit zu klären. Schönes Ding. Klar, kann man eventuell im Block um die Ecke noch im Supermarkt einkaufen gehen [wenn man sich traut :D] und natürlich kann man sich auch einfach immer ein Taxi nehmen, um abends von A nach B zu kommen [mit dem Taxi zum Supermarkt - gehts noch dekadenter? ;)]. Aber irgendwie sind das alles Dinge, an die du in Deutschland nicht einen Gedanken verschwenden würdest! Alleine die Vorstellung, dass ich mir jemals in den Wintermonaten in Deutschland gegen 18 Uhr die Frage stellen würde: "Oha. Es ist dunkel! Oh nein! Ich wollte doch eigentlich noch zu "Netto" gehen. Was mach ich denn jetzt?" ist so vollkommen abwegig. Und was mich bereits jetzt aufregt, ist die Sache mit dem Klopapier :D Es gibt beinahe immer nur eine Klopapierrolle im Vorraum der Toiletten, von der du dir ein paar Blättchen abreißen darfst. Selbst beim aufs Klo gehen musst du hier also im Vorfeld nachdenken, wieviel Klopapier du wohl benötigen wirst. Mann, Mann, Mann. Am ehesten könnte man das hier wohl mit dem Wort Festivalfeeling beschreiben: Du hast kein Trinkwasser aus der Leitung, warmes Wasser ist auch keine Selbstverständlichkeit, überall ist Musik, es gibt Crepes und Klopapier ist ein Luxus. Ja, Arequipa ist offenbar ein riesengroßes Festival! Es ist dreckig, es stinkt, Müll liegt rum. Aber es gibt hier [ich fass es immer noch nicht!] unglaubliche drei Starbucks-Filialen!!! Bitte, was?! Völlig schizophren diese Stadt. Ebenso krass: Es gibt die total runtergerockten Baracken, aber auf der anderen Seite den atemberaubend schönen Hauptplatz der Stadt, den Plaza de Armas, der mit seinen riesigen Palmen und dem Brunnen wie eine kleine Oase inmitten von Arequipa wirkt.
Ich weiß irgendwie auch noch nicht so recht, was ich von dieser Stadt halten soll. Es ist irgendwie wie der Beginn einer Beziehung: Irgendetwas fasziniert dich an dem anderen, alles ist unglaublich spannend und so langsam beginnst du, dich besser kennenzulernen.
Gestatten: Romy - Arequipa. Arequipa - Romy.



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