Hallohallo, verdammt nochmal. Was ist denn hier los? Soll es das gewesen sein? 6 Monate, ein halbes Jahr, ZACK, vorbei? Der Abschied von Arequipa rückt immer näher und der Blick auf meinen Kalender beweist: Ja Romy, in der Tat. Erkundige dich schonmal bei der Fluggesellschaft nach Übergepäck. Adios Pisco Sour, Adios Ceviche, Adios Causa - es war schön mit euch! Zeit, Bilanz zu ziehen, Zeit, noch einmal mit dramatischen Formulierungen um sich zu werfen und Wörter wie "nie wieder" und "für immer" zu verwenden. Zeit, sich schon einmal mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich schon bald wieder deutschen Boden betreten werde. Warum nur läuft mir bei diesem Gedanken gerade ein Schauer den Rücken runter? Es ist merkwürdig, aber ich habe irgendwie sogar ein bisschen Angst davor in dieses Land zurückkehren, in dem man keine Kinder mag, alle irgendwie immer mehr wollen und niemand so richtig zufrieden ist. In Peru ist es gefährlich und es ist dreckig und vieles ist unfassbar beschissen, aber die Menschen sind einfach verdammt nochmal fröhlicher als in Deutschland, leider muss auch ich dieses altbackene Klischee bestätigen. In Deutschland funktioniert alles und jeder, aber zu dem Preis, dass wir eine kalkulierte, eine kalte Nation sind. Ach Deutschland, du und ich, ob das noch jemals was wird? Ich habe keine Ahnung. Auch wenn ich niemals in Peru leben könnte: Es wird hart zurückzukehren und noch härter zu bleiben, auch wenn dort viele Annehmlichkeiten auf mich warten. Tja, und auch das Wetter versetzt mich in Angst und Schrecken: Ich habe seit beinahe 6 Monaten durchgehend nur Sonnenschein und blauen Himmel erlebt - wie soll ich überhaupt noch mit dem Gefühl von Kälte zurechtkommen? Wolken, was ist das? Schnee? Ja mal gehört, dass es sowas gibt! Immerhin sterben bei uns keine Menschen, weil es mal regnet. Hat ja auch was für sich. Und dann denke ich wieder an schöne Kleider und an roten Lippenstift und an Blondsein dann ist es erstmal nur halb so schlimm. Keine lahmenden Peruaner mehr auf der Straße, die an Zombies aus "The Walking Dead" erinnern, durchgehend heißes Wasser solange ich will, keine Stromausfälle, Schluss mit dem ständigen Abkochen von Wasser, kein Smog, keine hochgradig krebserregende Sonne mehr. Keine Vulkane, kein Erdbebengebiet, keine Alarmanlagen, keine Räuber, Entführer und ständige Todesmeldungen. Ein brandneues Smartphone liegt zuhause und wartet auf mich. Ja, das wären die zugegebenermaßen guten Seiten. Aber trotz all diesen ganzen Sachen werde ich mein Leben hier in Arequipa bestimmt ab und an mal vermissen. Und vor allem - ja, das wird hart - keine flauschig-kuschlig-lustig-dreinschauenden Alpakas mehr :( Das Abenteuer ist vorbei. Von der großen weiten Welt zurück in mein Altenburger Kinderzimmer, zwischen Umzugskisten Bewerbungen für was auch immer schreiben. Wow, es könnte nicht deprimierender sein, ehrlich.
Am Donnerstag - unserem offiziell letzten Arbeitstag - haben wir am Abend noch einen kleinen Pisco Sour-Workshop bei Raul im Hostel absolviert. Mit fünf verschiedenen Früchten haben wir zudem versucht, unseren "Lieblingssour" zu finden. Erdbeer, Pflaume, Maracuja, Mango und Chirimoya (tropische Frucht). Bedeutete allerdings auch, dass wir ganze fünf Pisco Sour trinken "mussten", um relevante Vergleiche anstellen zu können :D Gut, ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das im Gemisch mit ein paar free Shots und einem Bier in einem interkulturellen Alkoholabsturz endete, alter Schwede. Obwohl wir zuvor abgemacht hatten, zeitig nach Hause zu gehen, waren wir danach dann doch noch einmal in unserem legendären Deja-Vu, zusammen mit ein paar Touris aus dem Hostel. Soviel zum Thema "Vernunft". Ich kann soviel sagen: Die ersten Worte, die ich am Freitag aussprach waren: "Ich möchte nie wieder etwas von diesem schrecklichen Getränk namens Pisco Sour hören". Worst Hangover ever, auf 2400 Höhenmetern wird einfach jeder etwas derbere Kater zu einem regelrechten Alptraum ;) Gegen 16 Uhr schaffte ich es dann doch noch endlich aufzustehen, was auch nötig war, denn am Freitagabend fand unsere Abschiedsfeier im Büro statt. Das hieß: Raus in diese laute Welt, um erneut Einkäufe im Snack- und Alkoholbereich zu tätigen. Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das ungefähr das letzte ist, was man in diesem Moment und Zustand tun möchte. Außerdem hatten wir am Vortag offenbar so gut wie gar nichts gelernt, wie sich am Abend im Büro zeigen sollte, an dem unser Pisco Sour eine Konsistenz hatte, die sich irgendwo zwischen Eischnee und Limettensorbet bewegte [Dieser verdammte Cocktail! Dagegen ist ein Sex on the Beach ja ein Kindergeburtstag!]. Naja, dafür gabs Guacamole, frittierten Mais und Süßkartoffelchips. Das war es also, der Abschied von allem. Aber wenn der HR-Trainee in die Office-Lounge kotzt und du den Büroleiter zu "I´m sexy and I know it" tanzen siehst, kann man glaube ich zumindest von einem würdigen Abschied sprechen. Gestern haben Laetitia, Anja und ich dann unser "letztes Abendmahl" in der Creperie zelebriert, bevor wir Anja endgültig verabschiedet haben, die jetzt noch einen Monat durch Ecuador reisen wird.
Heute war ich dann nochmal im Office, um Carmencita das Rezept für ihre anbetungswürdige Causa abzuluchsen, mich von allen endgültig zu verabschieden und wenig später mit Kuchen, Abschiedskaffee und Goodbye-Zigarette Laetitias letzte Minuten in ihrem -wie sie es immer selbst liebevoll nannte- "shitty place" zu verbringen. Danach sind wir gemeinsam mit dem Taxi zum Flughafen gefahren und haben uns dort melodramatisch verabschiedet :( Ich hätte wirklich nie im Leben gedacht, dass ich hier am anderen Ende der Welt auf zwei so liebe Mitpraktikantinnen treffen würde, die schon nach kurzer Zeit zu echten Freunden werden würden. "Trio peligroso", "das gefährliche Trio" so hat uns der Büroleiter getauft, da er meinte, es hätte bisher noch nie Praktikanten gegeben, die zu so einer derart eingeschworenen Gemeinschaft verschmolzen wären.
Die letzten Tage in Arequipa
Am Donnerstag - unserem offiziell letzten Arbeitstag - haben wir am Abend noch einen kleinen Pisco Sour-Workshop bei Raul im Hostel absolviert. Mit fünf verschiedenen Früchten haben wir zudem versucht, unseren "Lieblingssour" zu finden. Erdbeer, Pflaume, Maracuja, Mango und Chirimoya (tropische Frucht). Bedeutete allerdings auch, dass wir ganze fünf Pisco Sour trinken "mussten", um relevante Vergleiche anstellen zu können :D Gut, ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das im Gemisch mit ein paar free Shots und einem Bier in einem interkulturellen Alkoholabsturz endete, alter Schwede. Obwohl wir zuvor abgemacht hatten, zeitig nach Hause zu gehen, waren wir danach dann doch noch einmal in unserem legendären Deja-Vu, zusammen mit ein paar Touris aus dem Hostel. Soviel zum Thema "Vernunft". Ich kann soviel sagen: Die ersten Worte, die ich am Freitag aussprach waren: "Ich möchte nie wieder etwas von diesem schrecklichen Getränk namens Pisco Sour hören". Worst Hangover ever, auf 2400 Höhenmetern wird einfach jeder etwas derbere Kater zu einem regelrechten Alptraum ;) Gegen 16 Uhr schaffte ich es dann doch noch endlich aufzustehen, was auch nötig war, denn am Freitagabend fand unsere Abschiedsfeier im Büro statt. Das hieß: Raus in diese laute Welt, um erneut Einkäufe im Snack- und Alkoholbereich zu tätigen. Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das ungefähr das letzte ist, was man in diesem Moment und Zustand tun möchte. Außerdem hatten wir am Vortag offenbar so gut wie gar nichts gelernt, wie sich am Abend im Büro zeigen sollte, an dem unser Pisco Sour eine Konsistenz hatte, die sich irgendwo zwischen Eischnee und Limettensorbet bewegte [Dieser verdammte Cocktail! Dagegen ist ein Sex on the Beach ja ein Kindergeburtstag!]. Naja, dafür gabs Guacamole, frittierten Mais und Süßkartoffelchips. Das war es also, der Abschied von allem. Aber wenn der HR-Trainee in die Office-Lounge kotzt und du den Büroleiter zu "I´m sexy and I know it" tanzen siehst, kann man glaube ich zumindest von einem würdigen Abschied sprechen. Gestern haben Laetitia, Anja und ich dann unser "letztes Abendmahl" in der Creperie zelebriert, bevor wir Anja endgültig verabschiedet haben, die jetzt noch einen Monat durch Ecuador reisen wird.
Heute war ich dann nochmal im Office, um Carmencita das Rezept für ihre anbetungswürdige Causa abzuluchsen, mich von allen endgültig zu verabschieden und wenig später mit Kuchen, Abschiedskaffee und Goodbye-Zigarette Laetitias letzte Minuten in ihrem -wie sie es immer selbst liebevoll nannte- "shitty place" zu verbringen. Danach sind wir gemeinsam mit dem Taxi zum Flughafen gefahren und haben uns dort melodramatisch verabschiedet :( Ich hätte wirklich nie im Leben gedacht, dass ich hier am anderen Ende der Welt auf zwei so liebe Mitpraktikantinnen treffen würde, die schon nach kurzer Zeit zu echten Freunden werden würden. "Trio peligroso", "das gefährliche Trio" so hat uns der Büroleiter getauft, da er meinte, es hätte bisher noch nie Praktikanten gegeben, die zu so einer derart eingeschworenen Gemeinschaft verschmolzen wären.
Endzeitstimmung at its best.
Wisst ihr, es ist schon ganz schön seltsam ein so weit entferntes und "fremdes" Land zu verlassen und ein miniwinzigkleines Stück Vertrautheit zu fühlen. Ich kenne jetzt die wichtigsten Städte Perus, das grandiose Essen, das schreckliche TV-Programm, die unterschiedlichen Klimazonen, kurz gesagt: die ganz besonderen Eigenheiten dieses Landes. Ich habe viel gesehen und ich habe viel gelernt, selbst Dinge die ich eigentlich gar nicht wissen wollte. Etwa, dass der Sonnengott der Inkas Inti heißt, Pachamama die göttliche Mutter Erde ist und der Titicacasee heilig. Ich kann die Karte von Südamerika mit verbundenen Augen aufmalen, auch wenn hier vor allem das Praktikum einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat. Ich weiß von all den unzähligen Bildern und Reiseberichten (vor allem aber vom vielen Reiseabläufe-Korrekturlesen), wie es ausschaut, was das Besondere und Sehenswerte ist an jedem Fleckchen Erde dieses Kontinents. Ich weiß jetzt, dass Panamanüte nicht in Panama sondern in Ecuador hergestellt werden, dass der Salto Angel in Venezuela der höchste Wasserfall der Welt ist, dort das Orinoco Delta liegt und es in Bolivien ein Coca-Museum gibt. Ich weiß, dass Kaiser- und Magellanpinguine sich in etwa so ähnlich sind wie
Britney Spears und Janis Joplin und die Osterinseln tatsächlich die einsamsten Inseln der
Welt sind und zu Chile gehören. Ich weiß, dass der Pantanal das größte Feuchtgebiet der Erde ist und in Brasilien liegt und das Rio de Janeiro gar nicht die Hauptstadt ist. Ich kenne die einzelnen Namen der Galapagosinseln. Ich weiß, dass sich die Eisdiele mit den meisten Eissorten der Welt in Merida, Venezuela, befindet. Ich weiß, dass Argentinien das europäischste aller südamerikanischen Länder mit einem Gemisch aus eingewanderten Spaniern, Italienern, Engländer und Franzosen ist. Ich weiß, dass Chilenen derart seltsam Spanisch sprechen, dass nicht einmal andere Spanisch-Muttersprachler sie anständig verstehen können. Ja, alle diese Länder sind für mich nicht mehr ein einheitlicher Brei mit dem Stempel Südamerika, sondern haben für mich ein klares Gesicht bekommen. Sind mehr als nur ein bloßes Fleckchen Landkarte geworden. Schließlich habe ich beinahe jeden Tag mit ihnen zu tun gehabt. Und irgendwie finde ich es echt schön, in meiner Zeit hier soviel dazu gelernt zu haben. Was mir das jetzt für mein zukünftiges Leben bringt? Keine Ahnung! Abgesehen davon, dass ich wirklich ein prima Telefonjoker für "Wer wird Millionär" wäre, fällt mir jetzt spontan eigentlich nichts ein. Aber vielleicht ist das ja tatsächlich etwas, was mir erst hier so richtig bewusst geworden ist: Dass es verdammt viele tolle Dinge auf dieser Erde zu entdecken gibt, die es noch wert sind, sie zu erleben. Denn eins kann ich jetzt schon mit 99%-iger Gewissheit sagen: Ich werde definitiv wiederkommen, weil es hier einfach so so so viel zu sehen gibt, was ich noch sehen muss! Brasilien, Argentinien, Chile, Patagonien, Kolumbien, Ecuador, Galapagos - Südamerika ist einfach atemberaubend schön und einzigartig. Ich will mehr sehen!! Mit Peru und Bolivien ist der Anfang ja nun schon einmal getan ;)
Tja und jetzt, die Frage der Fragen. War es richtig nach Peru zu gehen? JA! Und das sage ich jetzt nicht nur aus irgendwelchen blöden Selbsrechtfertigungsgründen, denn ich bin leider ziemlich schlecht darin mich selber zu belügen. Ich habe mir einfach nur mal kurz vorgestellt, was passiert wäre, wenn ich nicht hergekommen wäre. Und: Wow, ich hätte verdammt viel verpasst! Die guten wie die schlechten Dinge. Es war richtig und wichtig hier herzukommen, mal was komplett anderes zu sehen, ein Stück Welt auf der anderen Seite der Erdkugel zu erleben. Peru kam genau zur richtigen Zeit. Vor allem aber das atemberaubende Machu Picchu und der wirklich von vorne bis hinten perfekte Bolivien-Trip werden mir für immer im Gedächtnis bleiben, denn das hätte ich mir vorher nicht im Traum vorstellen können. Ein Traum. Ja, das ist das hier alles irgendwie schon gewesen. Denn wie das ja immer so im Nachhinein ist, vor allem das Schöne bleibt. Wenn ich mir dann in ein paar Monaten all die Fotos noch einmal schaue, das weiß ich jetzt schon, dann wird es sich komisch anfühlen, absurd, als wäre all das hier nie passiert. Also schaue ich gerade noch einmal aus dem Fenster, sehe die kleinen Peruaner vorbeilaufen, rieche den Dreck und die Abgase der Kombis und höre die hupenden Autos vorbeirasen. Alles untermalt von den wohlbekannten "Rapido, Rapido! Sube, sube!"-Schreien vor meiner Haustür [Es gibt immer einen Typen, der damit die Leute auffordert, möglichst schnell in die stoppenden Kombis einzusteigen], die ich auch nach 6 Monaten noch immer nicht überhören kann. Nein, es ist tatsächlich wahr, ich bin in Peru. Scheiße. So verdammt weit weg von zu Hause auf der anderen Seite der Erdkugel. Wenn mir das jemand vor zehn Jahren erzählt hätte - ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ich in Peru. Haha.
Seltsam, dass einem all das hier vertraut vorkommen kann. Die inoffzielle Bushaltestelle vor meinem Hostel, wo all die abgefuckten Kombis Halt machen, laut hupen und durch die viel zu engen Gassen rasen. Das nervtötende Gebell der verstaubten Hunde, die auf den Dächern leben. Die ganzen Tiendas mit ihren riesigen Brotkörben, neben denen die Besitzer auf kleinen Holzhockern ausharren oder mit den Nachbarn Gossip betreiben. Der kleine Lederladen an der Ecke auf dem Weg zur Arbeit, an dem sich der Geruch der Abgase für ziemlich exakt 10 Laufmeter mit dem Geruch von frisch gegerbtem Leder vermischt. Die ganzen schönen Gitarrenläden, in denen zu 99 Prozent immer gerade jemand sitzt und Gitarre spielt. Die Brücke über den schmutzigen Rio Chili, der reißende Fluss mit seinen riesigen Gesteinsbrocken und dem ganzen Müll, in dem sich die Ärmsten der Armen ab und an waschen. Der Zeitungsstand an der Ecke, an dem die Peruaner immer die Wege blockieren, weil sie einfach stehenbleiben und auf die Magazine starren. Die Indigenas aus dem Colca Canyon mit den geflochtenen Zöpfen in ihren traditionellen Kleidern, die am Straßenrand ihre mitgebrachten Katusfeigen aus Strohkörben verkaufen. Die stets freundlichen Straßenhunde, die einem ständig über den Weg laufen. Die Konditorei, vor der ich jedesmal einen halben Herzinfarkt bekomme, weil die Torten gut und gerne auch aus "Alice im Wunderland" stammen könnten. Die eine Hecke auf dem Weg zum Büro mit den roten Blumen vor einem Haus, in der man mit etwas Glück meine heißgeliebten Kolibris beobachten kann. Der Wachíman gegenüber vom Büro, den ich jeden Morgen begrüße und der seit 6 Monaten irgendetwas Gemurmeltes erwidert, was ich bis heute nicht verstanden habe, was aber stets mit "Hola, muy buenos días, ............ (???)" beginnt. Die Müllabfuhr, die mit ohrenbetäubender Lautstärke - ob Arielle oder Beethoven - den Müll abtransportiert. Ja, ich ertappe mich sogar dabei, wie ich die Abfolge der Alarmanlagen-Melodien innerlich voraushöre - geht das erste Signal los, höre ich innerlich schon die Folgemelodie ertönen. Alles ist irgendwie vertraut geworden. Ich kenne jedes Loch in der Straße. Jede Tienda auf dem Weg. Die Bettler im Viertel und die bekannten Gesichter der Straßenverkäufer. Und den verrückten, dicken Mann im grünen Weihnachtsmann Kostüm im Zentrum, der - ob September, Dezember oder eben jetzt März - an roten Ampeln Schokolade verkauft und wahrscheinlich noch immer nicht gemerkt hat, dass Weihnachten vorbei und ein Weihnachtsmannkonstüm überhaupt nicht grün ist. Achja. Am faszinierendsten ist Arequipa aber wahrscheinlich immer genau dann gewesen, wenn ich nach der Arbeit nach Hause gelaufen bin: Kurz bevor es dunkel ist, ist die ganze Stadt ein einziges riesiges flimmerndes Lichtermeer. Und diese Sonnenuntergänge. Der Gipfel des Misti, der schönste der drei Vulkane Arequipas, wird beinahe täglich in in ein nahezu künstlich wirkendes rosa Licht getaucht und verschwindet dann im glühenden Abendrot. Ja, Arequipa, du hast es mir wirklich nicht immer leicht gemacht, aber ein winzig kleines Stück Heimat bist du doch geworden, das muss ich zugeben.
Die letzten Tage werde ich vermutlich damit verbringen, Essen zu gehen, Souvenirs und Zutaten zu shoppen, mich über Zollregeln zu informieren und endlich zu lernen, wie man den besten Pisco Sour ever macht. Und vielleicht auch Kaktusfeigen am Straßenrand zu verkaufen, um mir das Geld für mein Übergepäck zu verdienen. Ja, es wird jetzt tatsächlich Zeit, sich langsam zu verabschieden. Der Countdown läuft.
Bis sehr bald :)
Seltsam, dass einem all das hier vertraut vorkommen kann. Die inoffzielle Bushaltestelle vor meinem Hostel, wo all die abgefuckten Kombis Halt machen, laut hupen und durch die viel zu engen Gassen rasen. Das nervtötende Gebell der verstaubten Hunde, die auf den Dächern leben. Die ganzen Tiendas mit ihren riesigen Brotkörben, neben denen die Besitzer auf kleinen Holzhockern ausharren oder mit den Nachbarn Gossip betreiben. Der kleine Lederladen an der Ecke auf dem Weg zur Arbeit, an dem sich der Geruch der Abgase für ziemlich exakt 10 Laufmeter mit dem Geruch von frisch gegerbtem Leder vermischt. Die ganzen schönen Gitarrenläden, in denen zu 99 Prozent immer gerade jemand sitzt und Gitarre spielt. Die Brücke über den schmutzigen Rio Chili, der reißende Fluss mit seinen riesigen Gesteinsbrocken und dem ganzen Müll, in dem sich die Ärmsten der Armen ab und an waschen. Der Zeitungsstand an der Ecke, an dem die Peruaner immer die Wege blockieren, weil sie einfach stehenbleiben und auf die Magazine starren. Die Indigenas aus dem Colca Canyon mit den geflochtenen Zöpfen in ihren traditionellen Kleidern, die am Straßenrand ihre mitgebrachten Katusfeigen aus Strohkörben verkaufen. Die stets freundlichen Straßenhunde, die einem ständig über den Weg laufen. Die Konditorei, vor der ich jedesmal einen halben Herzinfarkt bekomme, weil die Torten gut und gerne auch aus "Alice im Wunderland" stammen könnten. Die eine Hecke auf dem Weg zum Büro mit den roten Blumen vor einem Haus, in der man mit etwas Glück meine heißgeliebten Kolibris beobachten kann. Der Wachíman gegenüber vom Büro, den ich jeden Morgen begrüße und der seit 6 Monaten irgendetwas Gemurmeltes erwidert, was ich bis heute nicht verstanden habe, was aber stets mit "Hola, muy buenos días, ............ (???)" beginnt. Die Müllabfuhr, die mit ohrenbetäubender Lautstärke - ob Arielle oder Beethoven - den Müll abtransportiert. Ja, ich ertappe mich sogar dabei, wie ich die Abfolge der Alarmanlagen-Melodien innerlich voraushöre - geht das erste Signal los, höre ich innerlich schon die Folgemelodie ertönen. Alles ist irgendwie vertraut geworden. Ich kenne jedes Loch in der Straße. Jede Tienda auf dem Weg. Die Bettler im Viertel und die bekannten Gesichter der Straßenverkäufer. Und den verrückten, dicken Mann im grünen Weihnachtsmann Kostüm im Zentrum, der - ob September, Dezember oder eben jetzt März - an roten Ampeln Schokolade verkauft und wahrscheinlich noch immer nicht gemerkt hat, dass Weihnachten vorbei und ein Weihnachtsmannkonstüm überhaupt nicht grün ist. Achja. Am faszinierendsten ist Arequipa aber wahrscheinlich immer genau dann gewesen, wenn ich nach der Arbeit nach Hause gelaufen bin: Kurz bevor es dunkel ist, ist die ganze Stadt ein einziges riesiges flimmerndes Lichtermeer. Und diese Sonnenuntergänge. Der Gipfel des Misti, der schönste der drei Vulkane Arequipas, wird beinahe täglich in in ein nahezu künstlich wirkendes rosa Licht getaucht und verschwindet dann im glühenden Abendrot. Ja, Arequipa, du hast es mir wirklich nicht immer leicht gemacht, aber ein winzig kleines Stück Heimat bist du doch geworden, das muss ich zugeben.
Die letzten Tage werde ich vermutlich damit verbringen, Essen zu gehen, Souvenirs und Zutaten zu shoppen, mich über Zollregeln zu informieren und endlich zu lernen, wie man den besten Pisco Sour ever macht. Und vielleicht auch Kaktusfeigen am Straßenrand zu verkaufen, um mir das Geld für mein Übergepäck zu verdienen. Ja, es wird jetzt tatsächlich Zeit, sich langsam zu verabschieden. Der Countdown läuft.
Bis sehr bald :)
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