Donnerstag, 7. März 2013

Alles, was ich sonst noch sagen wollte...

Hallo ihr Lieben da draußen in der Ferne,

aufgrund meiner letzten freien Tage zu Hause, habe ich doch tatsächlich die Zeit gefunden, noch einen Eintrag zu hinterlassen, bevor es wieder zurück in die Heimat geht. Und wo wir gerade so schön über Deutschland sprechen, fällt mir auf: Endlich zurück in ein Land mit guter Musik. Ich wollte eigentlich schon die ganze Zeit mal über die vorherrschende Musiklandschaft hier schreiben, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen. Um euch mal in drei Beispielen zu zeigen, wie mein musikalischer Alltag hier bislang aussah, zeig ich euch zum Abschied nochmal die drei Megahits der letzten Monate, die hier ständig hoch- und runtergelaufen sind und mich begleitet haben.

(1) "Siente el choque" heißt übersetzt 
soviel wie "Spür den Stoß". Erwähnte 
ich schon mal, dass ich so 
billige Doppeldeutigkeiten in Liedtiteln 
abgrundtief hasse?  Dieses Lied ist 
schon mal ein sehr gutes Beispiel für 
die Plumpheit des Reggaetons.  
Das Schockierende: Wenn man es 
oft genug hört, ist es trotzdem ein 
Ohrwurm. Seit meiner Ankunft 
im letzten September verfolgt es 
mich, aber seht selbst...


(2) "Boom, boom, takakakaka, boom 
boom boom" ist eine schöne 
Zusammenfassung für dieses Lied 
von Nene Malo (= Böser Junge), was 
jetzt schon seit Wochen bzw. Monaten 
an wirklich allen Ecken und Enden zu 
hören ist. Achtung! Checkerhaftes 
Proll-Aufgespiele! Das Beste an dem 
Lied ist glaube ich noch die 
Saxophon-Einlage. Obwohl..ne bessere 
Stimme als Casper hat der "böse 
Junge" allemal.


(3) Ja. Was soll man dazu sagen. Diese 
seltsamen "Culisueltas" sind sogar 
eine für peruanische Verhältnisse 
furchtbare Girlgroup, die mit 
irgendeinem Chipmunk-Stimmverzerrer 
und Prolltexten dieses Lied, das klingt 
als wäre es in einem Hinterhof mit 
einem Kinderkeyboard aufgenommen 
worden, daher"singt". Ich hab leider bis 
heute noch nicht begriffen, worum es in 
diesem Lied inhaltlich geht, da es nur 
aus einer Zeile besteht, die da heißt 
"Sie sind neidisch auf mich". Ahja. 
Aber...wer denn? Und warum denn? 
Egal. Einziger Pluspunkt: Kann man in jedem Zustand super mitsingen, da super anspruchslos, einfach nur "Envidia, envidia, me tienen envidia" mitsingen :D

..hat es eigentlich irgendeins dieser drei Lieder zufälligerweise bis nach Deutschland geschafft!? ;)

Was geschah eigentlich sonst noch die Woche...ACHJA!
 

An dieser Stelle müsste eine Überschrift stehen. Ich kann einfach keine dafür finden. 

 

Eigentlich wollte ich diese Geschichte einfach nur ganz ganz schnell vergessen, hab mich jetzt aber doch dafür entschieden, sie mit euch zu teilen. Es wäre irgendwie schade drum :D Am Dienstag habe ich mich ein letztes Mal mit Victor getroffen, um mich zu verabschieden bevor ich das Land verlasse. Wir waren in einer schicken Bar und ich habe mich noch einmal an unzähligen Pisco Sour Variationen gelabt. Ein paar Stunden später, die Bar wollte schließen, fuhren wir zu einem 24-Std-Shop, um noch ein Bierchen zu kaufen und dies später am Straßenrand zu trinken, während wir uns über Gott und die Welt unterhielten. Ein Abend mit dem Prädikat "wirklich nett", ja man hätte fast ein bisschen melancholisch werden können, Peru zu verlassen. Mensch, so schlecht war doch irgendwie alles gar nicht. So standen wir also kurz nach Mitternacht am Straßenrand irgendeiner Wohnsiedlung und irgendwann meinte er dann, er müsste aufs Klo und wir könnten ja irgendwohin fahren, und dort unser Bier weitertrinken, aber zu ihm nach Hause könnten wir nicht, weil seine Eltern da seien [Peru ist da noch recht konservativ..selbst wenn man nur befreundet ist, kann man nicht mal einfach jemanden des anderen Geschlechts mit nach Hause bringen]. Ok, denkt man sich also, warum nicht. Da ich keinen Plan hatte, in welcher Ecke von Arequipa wir überhaupt gerade waren, dachte ich mir...er wird schon wissen, wo er hinfährt. So weit, so gut. 

Wir fuhren also durch das nächtliche Arequipa und schließlich von einer Hauptstraße abbiegend in einen Hinterhof. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung wo ich überhaupt gerade war und ich wunderte mich schon ein klein wenig, aber ok. Ein Hinterhof, was zur Hölle machen wir eigentlich hier?! Da ich ihn aber schon von einigen Treffen kannte, er aus wohlhabendem Elternhaus stammte und sein bester Freund Anjas Mitbewohner war, war ich eigentlich davon überzeugt, er würde mich jetzt hier nicht überfallen und abstechen und gab meiner Paranoia Entwarnung. Eine Frau kam plötzlich in dem Hof angelaufen und sie redeten kurz irgendetwas auf Spanisch, was ich aber nicht verstand. Er meinte zu mir dann irgendwas von wegen er wolle nur aufs Klo gehen. Na gut, ok. Dann fuhren wir in eine Garage, was mich nun wirklich sehr stutzig machte. Eine Garage? Weshalb? Warum? Häääh? Und, noch seltsamer: Eine Garage, in der es eine Treppe gab. Was hatte denn nun diese Treppe zu bedeuten?! Er sagte "Vamos" und da ich einfach zu perplex war, um irgendetwas nachzufragen oder zu antworten, stieg ich aus und ging diese Treppe nach oben und dachte mir nur, dass sich mein Leben in diesem Moment offenbar mal wieder eine absurde Anekdote für mich ausgedacht hatte. Und genau so geschah es dann auch. Diese Treppe führte nämlich in ein Mini-Apartment und alleine dieses, sagen wir mal, zentral ausgerichtete riesige Bett, ließ vermuten, dass wir hier nicht nur Bier trinken würden. Plötzlich fügten sich die Puzzleteile auf einen Schlag zusammen.

THAT AWKWARD MOMENT WHEN YOU REALIZE....

I´M IN A STUNDENHOTEL. 

WHAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAT THE FUCK. Ernsthaft?! Hallo? Bitte???????????? Haben die denn hier wirklich alle einen laufen????? Ich dachte in diesem Moment wirklich, ich packs nich mehr.

Ich mein, hätte man mich vielleicht nicht mal vorher fragen können? Ich habe zwar keine Ahnung wie diese Frage ausgesehen hätte..vielleicht sowas wie..."Zu dir oder zu mir oder ins Stundenhotel?". Aber wenigstens eine kleine Andeutung wäre ja mal nett gewesen! Auf jeden Fall saß ich auf diesem Bett in diesem Zimmer in dieser "Einrichtung" und musste erstmal eine rauchen und dachte ich spinne. Mein Leben ist ein Witz. Ehrlich. Romy. Du sitzt gerade in Peru, einem südamerikanischen Land auf der anderen Seite der Welt, in einer verdammten Wüstensstadt auf 2400 Höhenmetern mit drei Vulkanen, in einem STUNDENHOTEL!!! Best joke ever. Wo ist bitte die Kamera? Irgendwie musste ich spontan an reißerische SAT1-Reportagen über Prostituierte denken. Ich meine. Zum "Melt" gefragt werden, ob ich Chrystal Meth verkaufe und offenbar für eine Person gehalten zu werden, die mit einer der weltweit gefährlichsten Drogen dealt, ist eine Sache. Ok, gut. Aber mich in ein peruanisches Stundenhotel abschleppen wollen??? Was hab ich denn für ein Karma, stimmt irgendetwas nicht mit mir?! Meine Selbstüberprüfung ergab, dass ich weder vergessen hatte, mir eine Hose anzuziehen noch ein besonders ausgeschnittenes Oberteil mein Eigen nennen konnte. Aber was dann...nur weil ich blond bin!? Also, ich hatte ja mal erwähnt, dass die peruanischen Männer im Allgemeinen jetzt nicht gerade die Meister der charmanten Anmachen sind, aber ein Stundenhotel. Ernsthaft? Das geht zu weit. Ohne irgendeine Bemerkung im Vorfeld? Hatte ich vielleicht ohne es zu gewissen irgendwelche geheimen Codewörter benutzt? Eigentlich hatten wir doch zuvor über die Wirtschaftssysteme Europas und Südamerikas geredet. Und Medizin. Und Hugo Chávez. Und peruanische Kultur. Wo war denn nur der Punkt gewesen, an dem ich den entscheidenden Übergang in "das hier" verpasst hatte?! Hatte ich vielleicht mit dem Satz "Ich mag Peru" Sex in einem Stundenhotel provoziert? Verdammt. Ich sollte mir abgewöhnen, immer so überschwänglich zu sein.  

Es war eine absurde Situation. Aber immerhin hatte ich die Gelegenheit, mir so ein Etablissement mal von innen genauer anzuschauen, auch wenn ich nicht sicher bin, ob das so eine gute Idee gewesen ist. Ernsthaft? Ein Spiegel an der Decke über dem Bett?! Oar neeeeee, bitte, Porno-Alarm. Ein Fernseher?? Naja, typisch Peru eben. Nach ungefähr 2,5 Minuten der Sprachlosigkeit -mein Gehirn war im "What the fuck"-Modus hängengeblieben- war ich gedanklich zurückgekehrt und fragte ihn, was zum Teufel das hier eigentlich soll und dass ich jetzt bitte sofort nach Hause will. Auch wenn er betonte, dass das gar nicht so gemeint gewesen wäre...ich glaube, der Interpretationsrahmen ließ jetzt nicht so viele Spielräume zu! Einen Vortrag zu halten, wie dämlich ich sowas finde, hab ich mir auf meine letzten Tage allerdings auch gespart. Was willste die Latinos ändern, sinnlos ;) Ich hatte zwar schonmal gehört, dass sowas in Südamerika sehr geläufig ist und das son kulturelles Ding is, aber trotzdem..ich mein...Hallo??? Im übrigen auch mal wieder eine wahre Perle der religiösen Heuchlerei! Weil hier alle einen auf superkatholisch und konservativ machen, sind die Regeln hier sehr strikt (außerdem wohnen hier alle solange bei ihren Eltern bis sie verheiratet sind - und stehen daher permanent unter Aufsicht). Zucht und Ordnung und so. Und dann hinterrücks in Stundenhotels fahren - sinnlos, einfach nur sinnlos. Er hat mich dann nach Hause gefahren. Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass die Stimmung danach komplett im Arsch war und eine gewisse, ja sagen wir mal, Sprachlosigkeit auf beiden Seiten herrschte, die man versuchte durch banales Bla Bla zu überlagern. Ich war aber irgendwie auch ziemlich angekotzt und ich glaube der Ärmste hat mein Problem überhaupt nicht verstanden, weil das hier eben eine ganz gewöhnliche Sache ist. Ach, Peruaner. Lustig seid ihr ja schon irgendwie. Immerhin noch eine "interessante" Anekdote zum Abschied.

Ebenso wie die Tatsache, dass ich gestern spontan meine Kreditkarten-PIN vergessen habe. Wie blöd kann man eigentlich sein! Wie das geht..? Naja. Ich stand gestern vorm Geldautomaten und habe mich in diesem Moment mal ganz bewusst gefragt: "Sag mal, wie ist eigentlich meine PIN?", da ich sie ja sonst immer automatisch eingebe und nie darüber nachdenke. Aber als ich mich plötzlich ganz bewusst gefragt habe, konnte ich mich nicht mehr dran erinnern. Kennt jemand zufälligerweise diesen Effekt??? Nach zwei Falscheingaben brach ich dann so langsam in Panik aus. ARGH! Genau NULL Soles mehr in der Tasche und zwei Tage vor Abflug. Bombe, Romy! Je mehr ich dann darüber nachdachte, desto weniger wollte sie mir einfallen. Gottseidank konnte mir meine Mum nach einigem Hin und her vorhin dann doch noch meine PIN mitteilen, sodass ich jetzt GOTT SEI DANK wieder über Geld verfüge, OH MANN :D Ich hoffe, ich sterbe bis zum Abflug nicht an einem Herzinfarkt.

So, das wär erstmal das Neueste aus Arequipa. Die Spannung steigt, ich bin schon fuuuuurchtbar aufgeregt. Eigentlich war ich bis gestern ziemlich gechillt, aber jetzt ist es schon wieder Zeit schreiend im Kreis zu rennen und rumzupaniken. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!

Immerhin hab ich seit dieser Woche Gesellschaft durch Hostelmiez Piscita, die wegen einer dummen Bewertung auf Hostelworld umziehen musste und jetzt bei Raul und bei uns im Hostel wohnt. Anstatt meine Koffer zu packen, verbringe ich jetzt also meine Zeit damit, mit diesem tapsigen kleinen Katzenwesen zu spielen, mich bereitwillig beißen und kratzen zu lassen oder Streichselservice auf Anfrage (= Miau) zu liefern, ihr Gute-Nacht-Lieder auf deutsch vorzusingen oder sie auf Spanisch vollzuquatschen, weil ich Angst hab, dass sie mich sonst nicht versteht. Aber sie ist einfach nur so zuckersüß, dass mein Herz immer einen kleinen Sprung macht, wenn sie mich mit ihren riesengroßen Katzenkinderaugen ansieht :) [Aber wie ich ja immer so schön zu sagen pflege: Auch wenn in diesem Laden namens "Peru" nix hinhaut - die Basics stimmen immer! Essen, Kinder und Tiere, das können sie wie kein anderer!] Ich bin allerdings gleichzeitig so traurig, meine heißgeliebte Piscita allein in diesem Land zurückzulassen! Und heute miauzt sie schon den ganzen Tag, ich glaube sie merkt, dass ich bald weg bin :(((
 
Puh. Jetzt wird es also ernst. Der Abschied ist zum Greifen nah. Meine letzte Nacht! Heute war ich nochmal schön Ceviche essen und morgen früh gehts vor meinem Abflug in die Creperie!! :) Uuuuuuuund: Mein Chef hat für mich bei LAN Airlines weitere 23 kg Freigepäck rausgeschlagen, sodass zumindest das kein Problem mehr darstellen sollte. So, in diesem Sinne wünscht mir viel Erfolg, dass ich das irgendwie wieder hinkriege, drei Flugzeuge und zwei Züge zunehmen und Samstag Mitternacht mit Sack und Pack in Altenburg ankomme!!! Also dann...
 
Wir sehen uns!!!!!! :)
Romy
 

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