Mann, Mann, Mann. Da lässt man dieses verdammte Geblogge einmal schleifen und was
passiert?! Man (=Romy) hat diesen monströsen Berg von Erinnerungspuzzleteilchen
vor sich liegen und muss nun aus dieser schier undefinierbaren Masse
irgendwie etwas halbwegs Brauchbares zusammenzimmern. Und genau an dieser Stelle stellt sich mir die in diesem Zusammenhang doch wirklich berechtigte Frage: Was tu ich hier überhaupt? Für wen schreibe ich diese Scheiße hier eigentlich? Habe ich denn nun wirklich
nichts Besseres zu tun hat, als auch nach der Arbeit noch Stunden in
diesen flimmernden Bildschirm zu starren und einen zweifelhaften Blog für mich, für euch, für wen auch immer auf dieser Welt zu schreiben??? Die Antwort, welche ich mir innerhalb von 1,32 Sekunden selber geben kann lautet: Nein, offensichtlich nicht. Wow, das ging schnell. Welch traurige Gewissheit. Naja. Aber vielleicht ist das hier ja noch eins der sinnvolleren Dinge auf dieser Erde und je länger ich drüber nachdenke desto sicherer bin ich mir. Wenn das hier nicht furchtbar sinnvoll ist, ja was denn dann!? Also dann...habt mal viel Spaß mit meinem höchst relevanten und sinnstiftenden neuen Eintrag... :)
LIMA-LIEBE-RIESENLOVE
Gibt es eigentlich ein anderes Lima irgendwo auf dieser Erde? Ich bin mir jetzt wirklich ganz sicher, dass es eins geben muss! Denn wer auch immer die landläufige Meinung in die Welt gesetzt hat, dass Lima eine ach so hässliche und schreckliche Stadt sein soll, in der man keine 24 Stunden verbringen kann...ja, der kann doch einfach nicht da gewesen sein, wo ich jetzt war!! Ich sollte vielleicht dazu erwähnen, dass ich auf Arbeit regelmäßig die Post-Travel-Feedbacks unserer Kunden kontrolliere, welche die angebotenen Südamerikareisen gebucht haben. Wann immer diese mal eine Peru-Bolivien-Chile Reise gemacht haben, heißt es dann stets im Feedback in der Rubrik Anmerkungen "Weniger Zeit in Lima", "Lima weglassen - die Stadt ist hässlich", bla bla bla, etc. [Wobei mir da grad einfällt...das gleiche sagen sie auch oft über Buenos Aires. Man sollte Kunden offenbar einfach nicht ernst nehmen. Ich las erst heute, Buenos Aires (zur Erinnerung: 12 Millionen-Metropole mit Einflüssen aus aller Herrenländer) hätte "als Stadt rein gar nichts zu bieten". Bitte was?? Ahja. Natürlich. Die waren offenbar noch nie in Chemnitz :)]
Ach, Lima! Einen Fan hast du jedenfalls schon mal! Ich mag dich!
Mit deinem eisbonbonblauen Pazifik, den Surfern, den riesigen Palmenalleen muss man dich doch einfach gern haben! Und dann erzählen mir hier allen Ernstes irgendwelche Leute aus Großburgwedel oder schlimmer noch, Bielefeld, du bist hässlich! PAH! Idioten.
Überall bunte Blumen, überall frisches Grün - ach wie schön. 5 Monate in Wüsten-Arequipa haben offenbar bleibende Spuren hinterlassen - ich sehe Blumen und freu mich wie nach 10 Gin Tonic. Und dann auch noch das: Parks, jawohl PARKS, in denen Menschen auf den Wiesen legen oder auf Bänken sitzen und lesen. So ganz ohne Gefahr und so! WOW! In Arequipa gibt es auch eine Handvoll schöne Parks, aber die sind alle mit Gittern verschlossen, damit die Jugendlichen sich nicht im Park betrinken und damit die Parks so schön bleiben wie sie sind (Ja, komplett sinnfrei - bitte kein Kommentar dazu). Außerdem spielt auch mal wieder die kulinarische Komponente eine nicht ganz unbedeutende Rolle: Angeblich gibt es in Lima nämlich die besten Restaurants Südamerikas und ich bin jetzt ganz überzeugt davon. Die Cevicherias in Meeresnähe, die frischen Meeresfrüchte aus dem Pazifik und überhaupt hieß es ganze drei Tage lang -meine arme Gastritis, hör bitte weg- Ceviche, Ceviche und nochmals Ceviche! [Premiere: Ich hab sogar das erste Mal überhaupt einen Krebs gegessen, aber das mach ich nie wieder, weil man dem die Beine brechen muss, um an sein Fleisch zu kommen :( ] Und natürlich, einfach nur ganz wundervoll und das Must-See der Stadt, der Parque del Amor mit Blick aufs Meer! Ich hasse Kitsch und ich hasse Romantik, aber mal ganz locker einen kompletten Park diesem diffusen Konstrukt namens Liebe zu widmen, das finde ich irgendwie schon wieder großartig! Ich mein, letztlich geht es ja immer nur darum, bei uns allen, unser ganzes Leben lang. Warum ist nur niemand anders drauf gekommen, für dieses seltsame Etwas mal ein Denkmal zu errichten. Auf den Mosaikbänken dort stehen überall Sprüche, die etwas mit Liebe zu tun haben und in der Mitte gibt es eine riesige Skulptur von zwei Menschen, die sich innig umschlingen. Ein Mahnmal des Miteinanders. Toll. Irgendwie aber auch typisch lateinamerikanisch und ich stelle fest, dass es so etwas in Deutschland leider niemals geben könnte. Schade eigentlich. Warum ist Deutschland manchmal eigentlich so scheiße? Das einzige, was wir wieder haben sind irgendwelche ernsten, dunklen Denkmäler, die uns doch bitte vor Augen halten sollen, wie schwer unser kulturelles Erbe auf uns lastet und dass wir niemals vergessen dürfen und bla bla bla........... Laaaaaaaaaaaangweilig. Ich plädiere hiermit für einen Park der Liebe, Park der Freundschaft und Park der Menschlichkeit! So. Am Besten noch ein Park der Tierliebe, voll bis oben hin mit Tierbabys, die einfach nur rumsitzen und niedlich gucken! Babyschweinchen, Babykatzen, Welpen, Küken, Lämmchen und das hier darf auch nicht fehlen- oh neiiiiiiin, die Fantasie geht grad mit mir durch.Lasst uns eine Petition starten! Vielleicht ist ja auch noch ein Romy-Park drin, aber da muss ich mich noch ein bisschen für anstrengen und tolle Erfindungen machen und die Menschheit retten. Vielleicht ja ein Romy-Park mit Tierbabys?!
Moment mal. Wollte ich nicht eigentlich was über Lima erzählen? STIMMT. Also ich glaube ja, dass viele die Schönheit Limas nicht erkennen, liegt vor allem daran, dass sie sie gar nicht sehen können! Im Ernst! Von April bis Dezember verschwindet die Stadt unter einem lückenlosen grauen Schleier und wird von Wolken und einem dichten Küstennebel, welcher durch den nahegelegenen Humboldtstrom entsteht, bedeckt. Monatelang, jeden Tag. Ich weiß noch genau, wie ich "damals" im September gegen 5, 6 Uhr früh in Peru angekommen bin, den Flughafen in Lima für 5 Minuten verlassen und in den Himmel gestarrt habe und mich fragte "Was ist das denn....? Ist es noch Nacht? Oder ist das jetzt schon der Tag? Und falls ja: Wo zum Teufel ist denn die Sonne!?" Erst Ende Dezember, Anfang Januar lichtet sich dann endlich dieser riesige Schleier und der Himmel ist für ein paar Monate plötzlich strahlend blau. Tja, das Klima ist Peru ist wirklich sehr seltsam! Auch wenn sich das deutsche Wetter da in Sachen Disziplin wohl noch so einiges abschauen könnte. So ein launisch-schizophrenes Mal-Regen-Mal-Sonne-Mal-Schnee-Hinundherentscheidungs-Wetter gibt es hier nämlich nicht.
Überall bunte Blumen, überall frisches Grün - ach wie schön. 5 Monate in Wüsten-Arequipa haben offenbar bleibende Spuren hinterlassen - ich sehe Blumen und freu mich wie nach 10 Gin Tonic. Und dann auch noch das: Parks, jawohl PARKS, in denen Menschen auf den Wiesen legen oder auf Bänken sitzen und lesen. So ganz ohne Gefahr und so! WOW! In Arequipa gibt es auch eine Handvoll schöne Parks, aber die sind alle mit Gittern verschlossen, damit die Jugendlichen sich nicht im Park betrinken und damit die Parks so schön bleiben wie sie sind (Ja, komplett sinnfrei - bitte kein Kommentar dazu). Außerdem spielt auch mal wieder die kulinarische Komponente eine nicht ganz unbedeutende Rolle: Angeblich gibt es in Lima nämlich die besten Restaurants Südamerikas und ich bin jetzt ganz überzeugt davon. Die Cevicherias in Meeresnähe, die frischen Meeresfrüchte aus dem Pazifik und überhaupt hieß es ganze drei Tage lang -meine arme Gastritis, hör bitte weg- Ceviche, Ceviche und nochmals Ceviche! [Premiere: Ich hab sogar das erste Mal überhaupt einen Krebs gegessen, aber das mach ich nie wieder, weil man dem die Beine brechen muss, um an sein Fleisch zu kommen :( ] Und natürlich, einfach nur ganz wundervoll und das Must-See der Stadt, der Parque del Amor mit Blick aufs Meer! Ich hasse Kitsch und ich hasse Romantik, aber mal ganz locker einen kompletten Park diesem diffusen Konstrukt namens Liebe zu widmen, das finde ich irgendwie schon wieder großartig! Ich mein, letztlich geht es ja immer nur darum, bei uns allen, unser ganzes Leben lang. Warum ist nur niemand anders drauf gekommen, für dieses seltsame Etwas mal ein Denkmal zu errichten. Auf den Mosaikbänken dort stehen überall Sprüche, die etwas mit Liebe zu tun haben und in der Mitte gibt es eine riesige Skulptur von zwei Menschen, die sich innig umschlingen. Ein Mahnmal des Miteinanders. Toll. Irgendwie aber auch typisch lateinamerikanisch und ich stelle fest, dass es so etwas in Deutschland leider niemals geben könnte. Schade eigentlich. Warum ist Deutschland manchmal eigentlich so scheiße? Das einzige, was wir wieder haben sind irgendwelche ernsten, dunklen Denkmäler, die uns doch bitte vor Augen halten sollen, wie schwer unser kulturelles Erbe auf uns lastet und dass wir niemals vergessen dürfen und bla bla bla........... Laaaaaaaaaaaangweilig. Ich plädiere hiermit für einen Park der Liebe, Park der Freundschaft und Park der Menschlichkeit! So. Am Besten noch ein Park der Tierliebe, voll bis oben hin mit Tierbabys, die einfach nur rumsitzen und niedlich gucken! Babyschweinchen, Babykatzen, Welpen, Küken, Lämmchen und das hier darf auch nicht fehlen- oh neiiiiiiin, die Fantasie geht grad mit mir durch.Lasst uns eine Petition starten! Vielleicht ist ja auch noch ein Romy-Park drin, aber da muss ich mich noch ein bisschen für anstrengen und tolle Erfindungen machen und die Menschheit retten. Vielleicht ja ein Romy-Park mit Tierbabys?!
Moment mal. Wollte ich nicht eigentlich was über Lima erzählen? STIMMT. Also ich glaube ja, dass viele die Schönheit Limas nicht erkennen, liegt vor allem daran, dass sie sie gar nicht sehen können! Im Ernst! Von April bis Dezember verschwindet die Stadt unter einem lückenlosen grauen Schleier und wird von Wolken und einem dichten Küstennebel, welcher durch den nahegelegenen Humboldtstrom entsteht, bedeckt. Monatelang, jeden Tag. Ich weiß noch genau, wie ich "damals" im September gegen 5, 6 Uhr früh in Peru angekommen bin, den Flughafen in Lima für 5 Minuten verlassen und in den Himmel gestarrt habe und mich fragte "Was ist das denn....? Ist es noch Nacht? Oder ist das jetzt schon der Tag? Und falls ja: Wo zum Teufel ist denn die Sonne!?" Erst Ende Dezember, Anfang Januar lichtet sich dann endlich dieser riesige Schleier und der Himmel ist für ein paar Monate plötzlich strahlend blau. Tja, das Klima ist Peru ist wirklich sehr seltsam! Auch wenn sich das deutsche Wetter da in Sachen Disziplin wohl noch so einiges abschauen könnte. So ein launisch-schizophrenes Mal-Regen-Mal-Sonne-Mal-Schnee-Hinundherentscheidungs-Wetter gibt es hier nämlich nicht.
Eine
totale Überraschung für mich [oder vielleicht auch nicht bei den Slowmo-Peruanern? ;) ]: Das Leben in
Lima ist nicht hektisch und aufgeregt wie man es vermuten würde - nein, im Gegenteil, alles geht sehr gemäßigt und
tranquilo zu. Die Limeños sind gut drauf und ziemlich gechillt. Im Gegensatz zu manch europäischer Großstadt fühlt man
sich hier also wirklich rein gar nicht gestresst. Irgendwie wirkte es auch gar nicht so
chaotisch, wie ich vermutet hatte, was vielleicht auch daran liegt, dass
Lima egal wie groß es auch sein mag wie die meisten Städte Südamerikas nach einer Art
Schachbrettmuster in "cuadras" (=quadratischer Straßenblock) angeordnet ist, was dem Ganzen schonmal eine gewisse Grundordnung verleiht. Ich hab
mich schon so ein bisschen in die Stadt verliebt. Fairerweise muss man allerdings
auch erwähnen, dass ich lediglich einen kleinen Ausschnitt dieser
riesengroßen Metropole erleben durfte. Und das war zum einen Miraflores, das
hippe Viertel und Kreuzberg Limas, direkt am Pazifik gelegen [Weil Raul
wieder einmal Super-Raul war, hat er uns ein Hotel mitten im schönen
Miraflores direkt gegenüber vom Protz-Hilton-Hotel klargemacht] und
Barranco, das extravagante Reichenviertel mit
den schicken Bars und angesagten Clubs. Gut, das war jetzt vielleicht
jetzt nicht gaaaaaaanz so repräsentativ, aber -oh oh, meine politische
Korrektheit hat sich grad vom Acker gemacht- Armut und Elend hab ich jetzt erstmal
schon genug gesehen, wie ich finde. Zeit, ein klein wenig Europa zu atmen. In
Miraflores kann man sogar -für mich ja ein absolutes Highlight- die ganze Nacht über relativ unbesorgt auf der Straße sein. Allerdings zu dem Preis, dass alles komplett kameraüberwacht ist (Straßen, Restaurants, Cafés) und wirklich überall private und öffentliche Sicherheitsleute sowie Polizei herumstehen. Aber hey, ganz ehrlich: In Peru bin ich ein absoluter Freund der Überwachung
geworden. Wenns hilft. Wobei so ein "nett gemeintes" Plakat auf der Straße dann doch irgendwie ein klein wenig bizarr wirkt: "Lächle! Wir zeichnen es auf!".
Nun ein klein wenig Ortskunde: In Lima leben ganze 12-13 Millionen Menschen, wenn man die einzelnen Randbezirke mit dazuzählt. Die Stadt setzt sich aus insgesamt 43 (!!!) einzelnen Vierteln zusammen. Unvorstellbar riesig also, diese Pazifikmetropole. Das Viertel Miraflores [alleine dort leben schon 500.000 Menschen!], in dem wir hauptsächlich unsere Zeit verbracht haben, ist ein Stadtteil wie aus dem Bilderbuch: Es gibt tatsächlich Schilder am Straßenrand, die Taxifahrer auffordern das Hupen zu unterlassen, weil das "für alle störend" wäre. Das Anschnallen in Autos ist Pflicht. Es ist sauber, modern. Die Menschen sind gut angezogen. Überall in der Stadt sind Skater unterwegs. In einigen Parks gibt es Geldstrafen von über 100 Euro, wenn Hunde in einen Park machen. Man steht da und denkt "Das ist also auch Peru?!" Tja, wer hätte das gedacht! Eine so angenehme Großstadt hätte ich Peru nun wirklich nicht zugetraut ;) Allerdings möchte ich mich in den schlechteren Ecken von Lima auch nicht umschauen und die Stadt macht nur Spaß, wenn man genügend "Plata", gutdeutsch: Kohle, dabeihat. Und ich glaube da erschrecken sich die meisten Touris gleich, wenn sie im vermeintlich so billigen Südamerika feststellen, dass das alles gar nicht so günstig ist hier! Preislich gesehen bewegt sich die Stadt -in den besseren Vierteln- nämlich durchaus im europäischen Rahmen, ich pflege soetwas ja sehr gern an der sogenannten objektiven "Cocktail-Skala" zu messen. Reliabilität und Validität 100%. Ein Pisco Sour für 5-6 Euro heißt demzufolge: Keine Schnäppchenstadt! Was aber eigentlich am meisten Geld frisst, sind die Taxifahrten von einem zum anderen Viertel, weil die Stadt riiiiiiiiesengroß ist. In drei Tagen haben wir schätzungsweise 60 (!) Euro nur für Taxis ausgegeben! Nicht, dass ich aus Dekadenz darauf bestanden hätte, aber einige der öffentlichen Busse werden zum Teil auch ganz gern überfallen, sodass ich nicht unbedingt scharf drauf war, die Öffis von Lima zu benutzen. Apropos Taxis: Nur deren Sicherheitsglas [Ja! Tatsächlich! Einige Taxis dort sind kugelsicher verglast!] lässt vermuten, dass es hier ab und an wahrscheinlich auch etwas ungemütlicher abzugehen scheint. [Schön im Übrigen, dass Raul im Hotel unbedingt auch noch eine Dokumentation über Taxientführungen in Lima anschauen wollte. Beruhigt einen ja wirklich ungemein, wenn man gerade dort ist!]
Und noch eine kleine Anekdote fällt mir zu diesem Thema ein: Als wir am ersten Tag das dritte Taxi irgendwohin nehmen wollten, meinte Raul plötzlich zu mir "Romy, bitte geh mal in die Ecke dort und halte Abstand zu mir, als würden wir uns nicht kennen". Ich: "Bitte was?!". Er: "Ja, ständig wollen Sie mehr Geld kassieren, nur weil du da bist! Wenn Sie sehen, dass ich mit einer Gringa hier bin, dann kann ich einfach keinen vernünftigen Preis aushandeln". Ich war mal kurz sprachlos. Irgendwie fühlte ich mich schon da schon ob meiner Hautfarbe leicht diskriminiert!! :D Dass Touris immer mehr bezahlen müssen ist ja klar, aber dass meine bloße Anwesenheit es selbst einem Peruaner unmöglich machte, einen guten Preis zu kriegen...?! Das nennt man dann wohl positiven Rassismus. Nur weil ich weiß bin, denken die ich bin steinreich... Nun gut. Also tat ich die folgenden Tage dann arglos herumschauend so, als sei ich allein unterwegs, während Raul mit den Taxifahrern immer die besten Preise aushandelte und anschließend mich, die weiße Gringa, heranrief. Die Gesichter der Taxifahrer waren zum Teil wirklich herrlich :) VERARSCHT, ihr Abzock-Taxifahrer! Legt euch nicht mit einer Alemana an! BÄÄÄÄÄM!
Der Verkehr in Lima ist...naja. Um ehrlich zu sein fand ich ihn wirklich gar nicht so schlimm, aber da alle sagen es gehe dort halsbrecherisch zu, mutmaße ich mal, dass ich offenbar durch Arequipa einfach schon zu abgehärtet bin und unter akuter Verdrängung leide. Wie viele gefühlte Auffahrunfälle in Taxis ich hier schon erlebt habe - aber irgendwie kriegen die Peruaner es ja doch immer wieder hin und ich fühle mich hier eigentlich nie unsicher, was den Stadtverkehr betrifft [hab viel mehr vor Entführungen Angst]. Vermutlich würde ich mittlerweile bei jedem verkehrspsychologischen Gutachten mit Ach und Krach durchfallen ["Sie überfahren rote Ampeln und nehmen jemandem vorsätzlich die Vorfahrt - bitte nehmen Sie Stellung zu dieser Verkehrssituation" - "Hmmm. Ja....und? Was ist da jetzt eigentlich genau das Problem..?"]
Nun ein klein wenig Ortskunde: In Lima leben ganze 12-13 Millionen Menschen, wenn man die einzelnen Randbezirke mit dazuzählt. Die Stadt setzt sich aus insgesamt 43 (!!!) einzelnen Vierteln zusammen. Unvorstellbar riesig also, diese Pazifikmetropole. Das Viertel Miraflores [alleine dort leben schon 500.000 Menschen!], in dem wir hauptsächlich unsere Zeit verbracht haben, ist ein Stadtteil wie aus dem Bilderbuch: Es gibt tatsächlich Schilder am Straßenrand, die Taxifahrer auffordern das Hupen zu unterlassen, weil das "für alle störend" wäre. Das Anschnallen in Autos ist Pflicht. Es ist sauber, modern. Die Menschen sind gut angezogen. Überall in der Stadt sind Skater unterwegs. In einigen Parks gibt es Geldstrafen von über 100 Euro, wenn Hunde in einen Park machen. Man steht da und denkt "Das ist also auch Peru?!" Tja, wer hätte das gedacht! Eine so angenehme Großstadt hätte ich Peru nun wirklich nicht zugetraut ;) Allerdings möchte ich mich in den schlechteren Ecken von Lima auch nicht umschauen und die Stadt macht nur Spaß, wenn man genügend "Plata", gutdeutsch: Kohle, dabeihat. Und ich glaube da erschrecken sich die meisten Touris gleich, wenn sie im vermeintlich so billigen Südamerika feststellen, dass das alles gar nicht so günstig ist hier! Preislich gesehen bewegt sich die Stadt -in den besseren Vierteln- nämlich durchaus im europäischen Rahmen, ich pflege soetwas ja sehr gern an der sogenannten objektiven "Cocktail-Skala" zu messen. Reliabilität und Validität 100%. Ein Pisco Sour für 5-6 Euro heißt demzufolge: Keine Schnäppchenstadt! Was aber eigentlich am meisten Geld frisst, sind die Taxifahrten von einem zum anderen Viertel, weil die Stadt riiiiiiiiesengroß ist. In drei Tagen haben wir schätzungsweise 60 (!) Euro nur für Taxis ausgegeben! Nicht, dass ich aus Dekadenz darauf bestanden hätte, aber einige der öffentlichen Busse werden zum Teil auch ganz gern überfallen, sodass ich nicht unbedingt scharf drauf war, die Öffis von Lima zu benutzen. Apropos Taxis: Nur deren Sicherheitsglas [Ja! Tatsächlich! Einige Taxis dort sind kugelsicher verglast!] lässt vermuten, dass es hier ab und an wahrscheinlich auch etwas ungemütlicher abzugehen scheint. [Schön im Übrigen, dass Raul im Hotel unbedingt auch noch eine Dokumentation über Taxientführungen in Lima anschauen wollte. Beruhigt einen ja wirklich ungemein, wenn man gerade dort ist!]
Und noch eine kleine Anekdote fällt mir zu diesem Thema ein: Als wir am ersten Tag das dritte Taxi irgendwohin nehmen wollten, meinte Raul plötzlich zu mir "Romy, bitte geh mal in die Ecke dort und halte Abstand zu mir, als würden wir uns nicht kennen". Ich: "Bitte was?!". Er: "Ja, ständig wollen Sie mehr Geld kassieren, nur weil du da bist! Wenn Sie sehen, dass ich mit einer Gringa hier bin, dann kann ich einfach keinen vernünftigen Preis aushandeln". Ich war mal kurz sprachlos. Irgendwie fühlte ich mich schon da schon ob meiner Hautfarbe leicht diskriminiert!! :D Dass Touris immer mehr bezahlen müssen ist ja klar, aber dass meine bloße Anwesenheit es selbst einem Peruaner unmöglich machte, einen guten Preis zu kriegen...?! Das nennt man dann wohl positiven Rassismus. Nur weil ich weiß bin, denken die ich bin steinreich... Nun gut. Also tat ich die folgenden Tage dann arglos herumschauend so, als sei ich allein unterwegs, während Raul mit den Taxifahrern immer die besten Preise aushandelte und anschließend mich, die weiße Gringa, heranrief. Die Gesichter der Taxifahrer waren zum Teil wirklich herrlich :) VERARSCHT, ihr Abzock-Taxifahrer! Legt euch nicht mit einer Alemana an! BÄÄÄÄÄM!
Der Verkehr in Lima ist...naja. Um ehrlich zu sein fand ich ihn wirklich gar nicht so schlimm, aber da alle sagen es gehe dort halsbrecherisch zu, mutmaße ich mal, dass ich offenbar durch Arequipa einfach schon zu abgehärtet bin und unter akuter Verdrängung leide. Wie viele gefühlte Auffahrunfälle in Taxis ich hier schon erlebt habe - aber irgendwie kriegen die Peruaner es ja doch immer wieder hin und ich fühle mich hier eigentlich nie unsicher, was den Stadtverkehr betrifft [hab viel mehr vor Entführungen Angst]. Vermutlich würde ich mittlerweile bei jedem verkehrspsychologischen Gutachten mit Ach und Krach durchfallen ["Sie überfahren rote Ampeln und nehmen jemandem vorsätzlich die Vorfahrt - bitte nehmen Sie Stellung zu dieser Verkehrssituation" - "Hmmm. Ja....und? Was ist da jetzt eigentlich genau das Problem..?"]
Lima hatte irgendwie genau das, was ich bisher überall in Peru gesucht habe. Ich weiß gar nicht wie ich das erklären soll, aber für mich hatte Peru bislang nicht sonderlich viel von Stil oder Kultur. Ja ok, sie haben das Inka-Ding und Ruinen und atemberaubende Landschaften, aber daran kann man sich als Land jetzt auch nicht ewig festhalten. Das Peru der Gegenwart ist kulturell gesehen erschreckend identitätslos. Die Shows im peruanischen Fernsehen sind zum Teil von derartiger Niveaulosigkeit und Blödheit, dass es mich wütend macht. Die Peruaner lieben grelle Neonfarben! Und die Musik dreht sich inhaltlich entweder um Liebe oder das Abschleppen von Weibern! MIR FEHLT EIN WENIG DIFFERENZIERTE KULTUR! [Ich weiß nicht mal, ob wir in Arequipa überhaupt ein Theater haben, dafür aber eine Stierkampfarena.] Aber Lima hat mich beruhigt. Ein bisschen Street Art, ein paar Alternative und Ästhetik mit Liebe zum Detail - sie können also wenn sie wollen! Und, ich wollte es ja eigentlich kurz halten, aber ich muss euch einfach noch von der Bar berichten. DER Bar. Da wir uns pünktlich zum Tag des Pisco Sours (JA! Es gibt hier in Peru tatsächlich einen offiziellen Pisco Sour Tag!) in Lima befanden, drängelte ich wie wild rum, dass ich zu diesem gar wichtigen nationalen Anlass in eine ganz tolle Bar möchte. Und da war sie nun: das "Ayahuasca" in Barranco, welches dem Getränk alle Getränke eine ganze Seite voller wundervoller Variationen widmete. Lychee Sour, Fresa Sour, Tuna (= Kaktusfeige) Sour, Amaretto Sour, Coca Sour, Granadilla (= Passionsfrucht) Sour, Chicha (= lila Mais) Sour, Pisco Sour mit Kräutern u.v.m, serviert in wirklich perfekter Konsistenz, ein wahrer Traum von einem Cocktail! :) Hach...
Wenn die kleinen Regentropfen...
...leise an dein Fenster klopfen. Ja, dann weißt du, du befindest dich hier in der Regenzeit. Allerdings war davon bislang in Arequipa nicht wirklich viel zu spüren, da die "Stadt des ewigen Frühlings" nämlich weiterhin ihr Programm knallhart durchzog: Sonne und blauer Himmel. The Same Procedure as every Day. Gut, einen Tag in der Woche regnete es eben mal kurz, aber das war es dann auch schon wieder. Umso "beruhigender" wie ich fand, dass es in dieser groß angekündigten Regenzeit nun auch einmal wirklich regnete, wie es dann am Freitag vor zwei Wochen der Fall war. Denn ich hatte schon befürchtet, ich würde nach Hause fahren und in Deutschland mehr Regen als in einem Land mit Regenwald-Anteil abbekommen und das fand ich irgendwie eine recht deprimierende Vorstellung! Allerdings war mir bei diesem Gedanken ja nicht klar, dass hier in Arequipa offenbar bereits ein wenig Regen zum absoluten Ausnahmezustand führt. Wenn ich es hier nicht selbst erlebt hätte, ich würde es für einen schlechten Scherz halten!!! Nachmittags fing es zu regnen an, zwei Stunden lang, auch starker Regen, aber na gut, jetzt nichts besonders Ungewöhnliches. Gegen 6 hörte es dann auch schon wieder auf, sodass ich im Trockenen von der Arbeit nach Hause laufen konnte. Auch wenn mir schon zu diesem Zeitpunkt auffiel, dass sich der Fluß der Stadt, der Rio Chili (den ich immer auf dem Weg zur Arbeit überquere), eher in eine Schlammlawine verwandelt hatte, welche Massen von Müll mit sich trug. [Aber dass dieser Fluß eher einem reißenden Strom gleicht und widerlich verschmutzt ist, ist eigentlich auch nix Neues gewesen]. Gegen 7 fing es dann wieder für zwei Stunden an zu regnen, aber als ich um 9 das Haus verließ und zum Hostel lief war alles weitestgehend trocken. Ein recht gewöhnlicher Regentag also, für mich zumindest - es regnet, es ist ein bisschen nass und ungemütlich draußen - that´s it!
Ja, denkste. Am Tag darauf fuhr ich mit dem Taxi zum Busbahnhof von AQP, um nach Puno zu fahren und traute dann meinen Augen kaum! Auf dem Weg zur Busstation waren Betondecken aufgerissen, überall lagen Unmengen an Müll herum, der vom Fluss in die Stadt gespült worden war. Ich meine, ich bin von Peru ja bereits viel Dreck und Unordnung gewöhnt, aber diesmal sah es aus wie nach einem Bombeneinschlag bzw. dem dritten Weltkrieg! Überall Polizei und Absperrungen. Im Busbahnhof sah ich dann schon die Zeitungsschlagzeilen von wegen "4 Tote" und dachte "Aber....wie denn, wann denn, wieso? Hääääh?". Tatsächlich. Schäden in Millionenhöhe (angeblich beinahe 100 Millionen Euro!!!!), 40.000 Betroffene, ein paar Tote, viele Menschen haben ihre Wohnungen verloren - und ich hatte bis dato rein gar nichts davon mitbekommen! UND ALLES, WEIL ES MAL EIN WENIG GEREGNET HAT!? Ja. Alles, weil es mal ein wenig geregnet hat. Nach dieser Logik müsste England schon längst ausgerottet sein und in Deutschland eine Dauerkatastrophe herrschen! Aber hier in Peru, da fordert so ein Regentag offenbar schon die öffentliche Ordnung heraus. Und das Beste ist: Seit Jahren kommt es jedes Jahr pünktlich zur Regenzeit wieder zu Überschwemmungen. Und seit Jahren unternimmt man offenbar rein gar nichts dagegen. Ich weiß gar nicht, ob es mich mehr sprachlos oder wütend macht, was hier abgeht. Hier wird allen Ernstes der Tod von Menschen billigend in Kauf genommen, nur weil man sich in all seiner Gedankenlosigkeit nicht um entsprechende Präventionsmaßnahmen kümmert. Tausend große Fragezeichen in meinem Kopf. Hier sterben Menschen wegen der simplen Tatsache, dass es regnet! Das muss man sich mal vorstellen! Das ist wirklich das Bescheuertste, was ich seit langem gehört habe! Als ich mal zu euch sagte, dass Südamerika die Grenzen der eigenen Vorstellungswelten sprengt - ja genau das ist wieder so ein Fall davon.
Noch drei Gedanken von mir hierzu...
Noch drei Gedanken von mir hierzu...
Punkt 1: Es gibt hier jedes Jahr eine Regenzeit, es ist also nun wirklich nicht so, dass es eine großartige Überraschung wäre, wenn es hier einen Tag mal etwas stärker regnet. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist das Wetter hier schon so gnädig und ist vollkommen berechenbar: Außerhalb der Regenzeit regnet es in Arequipa wirklich nie und innerhalb der Regenzeit - Surprise! - regnet es dann eben doch mal! Man hat also ganze 9 Monate Zeit, sich hier auf eine Regenzeit von 3 Monaten einzurichten, in der ab und an mal regnet. Könnte man jetzt schon schaffen, finde ich.
Punkt 2: Was mir erst jetzt aufgefallen ist: Es gibt hier allen Ernstes weder Regenrinnen in den Straßen noch eine Form von Kanalisation. Keine Ahnung, ob die damals schlichtweg vergessen worden sind, aber das heißt im Klartext: Aller Regen, der fällt, sammelt sich in den Straßen, weil er nicht abfließen kann. An den tiefer gelegenen Punkten sammeln sich irgendwann kleine Seen. Und irgendwann sind dann Teile der Stadt überflutet. Eigentlich relativ logisch, dass das jetzt nicht wirklich ein so Bombenplan im Hinblick auf Städteplanung ist. Aber nicht nur, dass so sinnfrei gebaut worden ist - kann ja mal vorkommen - es wird einfach nichts daran geändert.
Punkt 3: Gäbe es in Deutschland keine Kanalisation, wären bei uns vermutlich auch ständig Städte überschwemmt. Aber da wir eben mal die voll gute Idee hatten, eine zu bauen, ist es eben kein Drama, wenn es mal regnet. Ergo: Man ist einem Regentag nicht einfach hilflos ausgeliefert. Nein, man muss einfach mal was dagegen tun. Katastrophen werden aber hier von den Zuständigen in Kauf genommen, weil man zu faul, inkompetent, gottesfürchtig oder was auch immer ist, um selbstständig mal etwas dagegen zu unternehmen. Ein Lichtblick: Der Bürgermeister des Stadtteils Yanahuara (eins der besten Viertel in AQP) hat letztes Jahr festgestellt, dass es in seinem Viertel so nicht weitergehen kann (W-O-W! Ganz groß!) und den Bau eines Drainagesystems veranlasst. Aufgrund dieser simplen, aber sehr effektiven Maßnahme ist Yanahuara von den starken Regenfällen beinahe komplett verschont und trocken geblieben. Ja, tatsächlich, so einfach kann es sein! Wenn man mal mehr als 60 Sekunden in die Zukunft denkt. Ich sollte jetzt aber wirklich aufhören, mit meinen Kopf auf dem Tisch aufzuschlagen. Ganz ruhig, Romy. Andere Länder, andere Sitten, sie werden es schon noch lernen.
Es ist geradezu absurd. Gemäß der peruanischen Mentalität wird einfach alles so hingenommen und nichts geändert. Diese ganze südamerikanische Gedankenlosigkeit, die dann zu Katastrophen führen kann, ist in der Tat ein strukturelles und kultures Problem, welches vor einiger Zeit in diesem sehr interessanten Artikel auf Spiegel-Online erörtert worden ist, wenn auch in anderem Zusammenhang. 1:1 übertragbar, ersetze Brasilien einfach durch Peru. Ich zitiere "Die Behörden verstehen nichts von Planung. Vorsorge findet nicht statt,
es gibt keine Investitionen, die zukünftigen Schäden oder Kosten
vorbauen könnten".
TEUFELSMASKEN & ISLA TAQUILE
Ich war in Puno beim Karneval. Es war toll.
Hmmm. Na gut, vielleicht sollte ich doch noch ein wenig mehr dazu schreiben. In Puno, einer kleinen Stadt direkt am schönen Titicacasee, findet jedes Jahr das beinahe wichtigste Karnevalsfest in ganz Peru statt. Da es "nur" 6 Stunden weit weg liegt, für südamerikanische Verhältnisse also gleich um die Ecke, und ich noch zwei freie Urlaubstage hatte, perfekt. Die Stadt ist anlässlich des Karnevals komplett im Ausnahmezustand, es ist geradezu verrückt. In vielen Restaurants, Geschäften, dem Busbahnhof und eigentlich überall da wo ein Fernseher herumsteht, gibt es tatsächlich sogar Live-TV-Übertragungen des Geschehens. Die Kostüme des Umzugs waren allerdings wirklich großartig und da auch einige Gruppen vom berühmten bolivianischen Karneval in Oruro vorbeischauen, konnte man in gewisser Weise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Bekannt sind die "Karnevälle" (Duden, steh mir bei) in Peru und Bolivien vor allem für die "Diabladas", lustige Tänze der Andenvölker, bei denen die Menschen in originellen Teufelsmasken durch die Straßen ziehen. Ich glaube, die Südamerikaner sind echt die Einzigen, die es schaffen Katholizismus, Schamanismus UND dann noch irgendwelche Teufelstänze unter einen Hut zu bringen.
Das Karnevalsfest in Puno ist wie eine riesengroße Party und es geht angeblich fast eine ganze Woche! Die Gruppen tanzen von früh bis nachts durch und am nächsten Tag dann wieder von vorn, d.h. die selben Tänzer vom Vortag. Ich hab wirklich nicht die leiseste Ahnung, wie die das anstellen! Und fast alle der Teilnehmer haben die ganze Zeit über ein fröhliches Lächeln im Gesicht - einfach unglaublich! Liegt aber eventuell auch am ausgiebigen Alkoholkonsum vor Ort, denn ich kann soviel verraten: Das Orchester hatte -je später der Abend- zuweilen die Harmonie und den Wohlklang einer an der Tafel kratzenden Kreide. Manche Musiker liefen auch gleich eine Bierdose in der einen, die Tuba in der anderen Hand durch die Straßen. Aber wo der Alkohol ruft, sind die Peruaner ja bekanntlich nicht weit :D
Zwischen all dem Karnevalsgeschehen haben wir es sogar noch geschafft, der Insel Taquile einen Besuch abzustatten. Taquile, etwa 2 1/2 Stunden vom Festland entfernt, ist eine relativ verschlafene und ursprüngliche Insel mitten im tiefblauen Titicacasee, auf der etwa 2000 Menschen leben. Man fühlt sich sofort, als hätte man eine Zeitreise in die Vergangenheit
gemacht, schon alleine weil wirklich alle Bewohner der Insel traditionelle
Kleidung tragen. Ein Ort auf der Welt, an dem man sich umgehend die Frage stellt: "Was zum Teufel denken sich diese Menschen eigentlich grade, wenn sie mich so sehen?!" Naja, vielleicht sowas wie "Wie sieht die denn aus?". Meine Vorstellungskraft scheiterte außerdem sofort daran, mir auch nur einen Einwohner Taquiles an irgendeinem beliebigen Ort in Deutschland vorzustellen, vielleicht am ehesten noch auf einem bayerischen Bauernhof. Es ist absurd, aber selbst der Altenburger Marktplatz erschien mir in diesem Moment im Vergleich als futuristisches Gebilde. Es ist immer wieder abgefahren: Wir alle sind Menschen und doch so unterschiedlich. Es klingt so banal, aber man muss es sich manchmal dann eben doch nochmal ganz bewusst ins Gedächtnis rufen. Der Besuch von Taquile war also so ein bisschen wie eine kleine Reise zu den Anfängen der Menschheit. Gesprochen wird auf Taquile Quechua, die Bewohner leben vorwiegend von Fischanfang, Feldanbau und Viehzucht. In diesem Sinne also ein recht unkomfortables Leben auf einer ziemlich verlassenen Insel fernab der Zivilisation, aber immerhin stressen die Kinder dort nicht rum, dass sie unbedingt das neueste Smartphone brauchen und spielen noch brav mit Steinen und Alpakas [DER Geheimtipp für die nächste Klassenfahrt]. Es ist unfassbar ruhig bis auf das vereinzelte "Määääh" von ein paar Schafen und Ziegen. Fazit: Ich glaube, an einem Herzinfarkt ist dort wirklich noch niemand gestorben. Kein Wunder aber auch bei dieser traumhaften Kulisse, welche die Taquileños jeden Tag bewundern dürfen. Bekannt ist die Insel für ihre strickenden Männer, die einige der feinsten Handarbeiten Perus anfertigen. Und zwar so fein, dass die Textilkunst Taquiles seit 2005 sogar zum Weltkulturerbe erklärt worden ist! [Obwohl es wahrscheinlich kaum etwas gibt, was die noch nicht zum Weltkulturerbe ernannt haben... Vielleicht wird ja auch mein Blog bald Weltkulturerbe!? Juhuu!] Auf Taquile gibt es dementsprechend auch die Redewendung: "Wenn du nicht weißt, wie man einen Hut macht, bist du kein Mann". Ich glaube, hiermit wären wohl 99% der deutschen Männer als unmännlich klassifiziert, bis sie einen Strickkurs absolviert haben.
Auf der Insel gibt es eine ganze Reihe interessanter Bräuche. Um von Zeit zu Zeit zu ermitteln, wer der geilste Stricker der Insel ist, werden etwa die hergestellten Hüte mit Wasser gefüllt. Um zu wissen welcher am feinsten gewebt worden ist, schaut man dann aus welchem das Wasser am langsamsten herauströpfelt. Wer diesen "Battle of Strickkunst" gewinnt, ist fortan ein sehr angesehener Mann und sozusagen der Checker der Insel. Ziemlich interessant auch das "Paarungssystem" auf Taquile. Tragen die Männer eine rot-weiß gestreifte Mütze heißt das sie sind Single, eine komplett rote Mütze bedeutet hingegen verheiratet. Trägt jemand eine bunte Mütze, hat er eine besonders wichtige gesellschaftliche Stellung innerhalb der Inselgemeinschaft. Angeblich soll die Ausrichtung der Bommel der Mütze sogar noch Genaueres verraten: Bommel rechts = Ich habe eine Freundin, bin noch nicht verheiratet, Bommel links = Ich bin noch zu haben. Alle Männer tragen zudem stets eine Strickumhängetasche bei sich, in der sich Kokoblätter befinden. Trifft man jemanden, muss man ihm gemäß der vorherrschenden Inselregeln nämlich zur Begrüßung ein paar Kokablätter zum Kauen anbieten, die der andere dann in keinem Fall ablehnen darf, weil das auf Taquile als grob unhöflich gilt. Gibt es auf der Insel ein Volksfest auf der Plaza de Armas, dem Hauptplatz, dürfen daran nur Ehepaare und Kinder teilnehmen. Jugendlichen ist die Teilnahme an den Fiestas untersagt, für mich eine der seltsamsten Regeln der Insel. Aber beim Kokoablätterkauen, Ackerpflügen oder Garn kaufen läuft man sich auf einer 5,5 km langen Insel eh jeden Tag über den Weg, sodass sich die Kontaktaufnahme eher unkompliziert gestaltet. Auf Taquile gibt es freie Partnerwahl und man kann sich sogar bei einer länger währenden Partnerschaft nochmal umentscheiden, Heiraten ist allerdings ausdrücklich vorgesehen. Man sollte sich im Vorfeld ziemlich gut überlegen, wen man dann heiratet, denn Scheidungen gibt es auf Taquile nicht. Ebenfalls interessante Regel: Wer seinen Partner betrügt, muss die Insel verlassen. Wenn ein Paar heiratet, muss sich die Frau ihre Haare abschneiden, woraus der Mann dann einen Taillengürtel webt, den er von nun an sein Leben lang bei wichtigen Anlässen oder Feiern trägt. Ehepaare stricken sich im Laufe des Lebens dann auch gegenseitig Dinge, um sich ihre Liebe zu bekunden. Das Hochzeitsfest dauert 3 Tage von früh bis spät, allerdings dürfen Bräutigam und Braut nicht mitfeiern, sondern müssen auf einem Stuhl sitzend der Feier passiv beiwohnen, um zu zeigen, "dass sie geduldig sind". Auch wieder so eine seltsame Geschichte. Soviel zu den Taquileños, wobei ich die Sache mit den Single-Mützen ja schon sehr geil finde :D
Bueno, das wärs jetzt von mir, was gärt dieser ganze Eintrag unveröffentlicht nun schon seit Tagen und Wochen vor sich hin, immer wieder ergänzt um Neuigkeiten. Aber ENDLICH hab ichs geschafft. Die allerneuesten News sind im Übrigen - Überraschung!- : Ich bin mal wieder krank. Laetitia und ich liefern uns ja da ja einen regelrechten Krankheitsbattle, wobei sie mich mit drei Krankenhausbesuchen in der Tat übertroffen hat. Aber hier hat man eben nicht nur lapidare "Oh, ich bin krank"-Krankheiten, sondern immer gleich "What the fuck, das Ende ist nah"-Krankheiten. Es nervt langsam echt. Ich kann gar nicht mehr zählen, die wievielte Krankheit das hier schon ist, aber es hat mich mal wieder richtig erwischt. Tippe stark auf Virusinfektion oder Lebensmittelvergiftung. Aber es ist schon wieder besser geworden. Immunsystem, halte noch etwas aus, bald geht es zurück nach Deutschland und dann kannst du wieder gepflegt rumchillen ;)
Bis sehr bald, Romy
Bueno, das wärs jetzt von mir, was gärt dieser ganze Eintrag unveröffentlicht nun schon seit Tagen und Wochen vor sich hin, immer wieder ergänzt um Neuigkeiten. Aber ENDLICH hab ichs geschafft. Die allerneuesten News sind im Übrigen - Überraschung!- : Ich bin mal wieder krank. Laetitia und ich liefern uns ja da ja einen regelrechten Krankheitsbattle, wobei sie mich mit drei Krankenhausbesuchen in der Tat übertroffen hat. Aber hier hat man eben nicht nur lapidare "Oh, ich bin krank"-Krankheiten, sondern immer gleich "What the fuck, das Ende ist nah"-Krankheiten. Es nervt langsam echt. Ich kann gar nicht mehr zählen, die wievielte Krankheit das hier schon ist, aber es hat mich mal wieder richtig erwischt. Tippe stark auf Virusinfektion oder Lebensmittelvergiftung. Aber es ist schon wieder besser geworden. Immunsystem, halte noch etwas aus, bald geht es zurück nach Deutschland und dann kannst du wieder gepflegt rumchillen ;)
Bis sehr bald, Romy








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