Hallo ihr Lieben,
seit letzter Woche bin ich nun zurück von unserem kleinen Urlaubstrip. Und was soll ich sagen, es war wirklich großartig! Machu Picchu ist echt der Hammer, mir ist noch immer völlig unklar, wie ein Ort ganz ohne Nebelmaschine so einen gewaltigen Haufen an Mystik versprühen kann...
Wir haben dort doch tatsächlich ganze 8 1/2 Stunden verbracht und damit vermutlich einen absoluten Rekord bei der Besuchszeit aufgestellt ;) Dafür lohnt sich dann auch das grausame Aufstehen früh um 4 (!). Nicht, dass ich besonders scharf drauf wäre, in meiner Auszeit von der Arbeit hier möglichst viel zu erleben und daher keinen Schlaf abzubekommen, aber...Aufgrund der Touristengruppen ist es ziemlich wichtig, gleich mit dem ersten Bus [ab 5 Uhr ist bei den Bussen anstellen angesagt, 5.30 Uhr geht der erste Bus] dort hochzufahren. Was tut man also nicht alles, um sich ein bisschen besser als all die anderen Touris zu fühlen...Wie sich herausstellte, war unsere anschließende morgendliche Verpeiltheit dann irgendwie auch das Beste, was uns passieren konnte: Versehentlich sind wir zum Ausgang in die Ruinen hineingelaufen und haben somit für eine ganze Zeit ein beträchtliches Stück von Machu Picchu ganz für uns alleine gehabt, da natürlich jeder normale Mensch am Eingang beginnt. Aber bin ich normal? Natürlich nicht, und das ist manchmal auch ganz gut so :) Alles in allem wirklich sehr beeindruckend! Und die Vorstellung, dass jemand ernsthaft die Idee gehabt hat, dort eine Stadt zu errichten, ist schon schräg. Zum Schluss durften wir uns noch ein Machu Picchu Logo in den Reisepass stempeln, um vor unseren Freunden zu protzen und uns ganz unique fühlen zu dürfen. Nicht, dass ich davon ausgehen würde, dass ich meinen Reisepass heil aus der Geschichte rausbringen werde...
Aber: Falls es euch jemals nach Peru verschlagen sollte, dann müsst ihr euch Machu Picchu uuuuunbedingt anschauen! Das ist ein Befehl!
Aber: Falls es euch jemals nach Peru verschlagen sollte, dann müsst ihr euch Machu Picchu uuuuunbedingt anschauen! Das ist ein Befehl!
So toll es auch war: Der Trip nach Machu Picchu hat meine finanzielle Lage jetzt nicht gerade verbessert, Cuzco und Aguas Calientes sind als Touristenorte nicht ganz preiswert, alleine der Eintritt für Machu Picchu kostet schon 40 Dollar, der Zug nach Aguas Calientes 75 Dollar, und, und, und. Allerdings habe ich mal wieder ein Quentchen Glück gehabt... :) Wie es der Zufall wollte, kannte Raul eine Hostelbesitzerin in Cuzco, sodass wir über ihn für spottbillige 15 Soles, rund 5 Euro, pro Nacht in einem Privatzimmer in einem schönen Hostel direkt am Plaza de Armas übernachten konnten. Manchmal ist Vitamin B echt praktisch! Wir haben uns in den 5 Tagen wirklich alles Ansehenswerte angeschaut: Cuzco und die Inkaruinen im Umland, das Heilige Tal der Inkas, und noch ganz viel mehr. Dienstagnacht ging es dann wieder zurück nach Arequipa und ich kann euch sagen: Nach 10 Stunden Nachtbusfahrt hier Mittwochfrüh halb 7 anzukommen und gleich im Anschluss auf Arbeit zu gehen, war nicht ganz ohne.
Und täglich grüßt das Murmeltier...Sicherheit in Peru
So nah Machu Picchu auf der Karte auch wirken mag - es ist echt ein ganz
schöner Akt, da hinzukommen! Stellt euch mal vor, ihr würdet von
Deutschland aus 10 Stunden irgendwohin fahren...Da merkt man erstmal
wieder, wie riiiiiiiiiiiesengroß Peru eigentlich ist. Wie immer hier in Peru, gestaltete sich daher auch die Reiseplanung im Vorfeld nicht ganz einfach. Ich meine: Wie schwierig kann es denn nur sein sein, einen Bus zu buchen? Offenbar sehr schwierig. Im Vorfeld wurden wir nämlich gewarnt: Wählst du ein sehr günstiges Busunternehmen aus, kann es passieren, dass die Fahrer schlecht ausgebildet oder übermüdet sind und nicht selten gibt es daher schwere Unfälle. Wählst du ein "zu gutes" Busunternehmen besteht die Gefahr, dass der Bus von bewaffneten Banden überfallen wird, weil die Kriminellen Insassen mit ausreichend Geld in den Bussen vermuten. OH MANN! Bereits der Kauf eines Bustickets wird hier also zu einer Entscheidung, die sehr gut überlegt sein will. Wir haben uns dann am Ende für "Oltursa" entschieden, die goldene Mittelklasse der Busse sozusagen. Im Vorfeld mussten wir alle möglichen Angaben machen, außerdem darfst du aus Sicherheitsgründen auch nur mit Reisepass in den Bus einsteigen Vorm Einsteigen in den Bus gibt es zudem noch eine Waffenkontrolle. [Eine Waffenkontrolle! Für eine Busfahrt!]. Wie mir Raul berichtete [Wie es der Zufall wollte, ist er ein paar Tage später der Arbeit wegen ebenfalls nach Cuzco gefahren, allerdings mit dem teuersten Busunternehmen "Cruz del Sur"] haben sie bei einem der Mitreisenden bei der Waffenkontrolle eine Waffe gefunden. Der Typ meinte
zwar, er hätte sie nur so dabeigehabt, aber warum zum Teufel will
jemand mit ner Waffe Bus fahren!? Peru ist ab und an echt scary...! Ihr könnt euch nach all dem was ich euch hier berichte sicherlich auch vorstellen, dass während so einer Busfahrt dann doch eine leiiiiiiiichte unterschwellige Grundangespanntheit vorherrscht, weil man hier ja nie weiß... Die Straßen sind gefährlich, bei den Fahrern weiß man nicht so genau und selbst den eigenen Mitreisenden [Sind sie vielleicht Bandenmitglieder?] traut man nicht so recht über den Weg. Eine Reise ist hier also immer auch ein bisschen gefährlich, falls man nicht mit privatem Verkehr und in Reisegruppen reist.
"Peligroso" - gefährlich...dieses Wort höre ich hier ständig und überall und ich kann es einfach nicht mehr hören! Alles ist hier gefährlich, ständig muss man auf der Hut sein. Am Samstagabend sind wir mit dem Bruder von Anjas Mitbewohner Luis Fernando, Fernando [Exakt! Sie heißen beide Fernando. Überhaupt - jeder heißt hier Fernando!!!] und seinen Freunden die Straßen langgelaufen und da mir ja eingetrichtert wurde immer schön rechts an den Wänden langzulaufen, weil durch die vorbeifahrenden Autos a) die Gefahr von Unfällen und b) die Gefahr von Überfällen ausgeht, dachte ich ich wäre sicherheitstechnisch einmal gut dabei. Aber nein, Fernando meinte, man dürfe auch ja nie zu nah an den Grundstückszäunen vorbeilaufen, weil die scharfgemachten Wachhunde zum Teil mal an die Gitter springen und ein Hundebiss im Gesicht ist jetzt auch nicht so ne schöne Sache. Als so ein Aggro-Vieh ein paar Meter weiter am Zaun hing, war ich ihm recht dankbar für diesen kleinen vorherigen Hinweis. Ja, was denn nun?! Nicht zu weit links laufen, nicht zu weit rechts laufen, da bleibt lediglich ein schmaler Streifen in der Mitte des Fußwegs und glaubt mir, ein gemütliches Dahinschlendern ist auf diesen Straßen kaum möglich! Ganz ehrlich: Ich hasse Routine!!! Aber jeder Weg, den ich hier draußen rumlaufe, setzt bei mir soviel Adrenalin frei, dass meine Hormontöpfchen wohl bald erschöpft sein werden :) Ohne übertreiben zu wollen, aber: Hier wird schon der Weg zur Arbeit zum reinen Abenteuer...
"Peligroso" - gefährlich...dieses Wort höre ich hier ständig und überall und ich kann es einfach nicht mehr hören! Alles ist hier gefährlich, ständig muss man auf der Hut sein. Am Samstagabend sind wir mit dem Bruder von Anjas Mitbewohner Luis Fernando, Fernando [Exakt! Sie heißen beide Fernando. Überhaupt - jeder heißt hier Fernando!!!] und seinen Freunden die Straßen langgelaufen und da mir ja eingetrichtert wurde immer schön rechts an den Wänden langzulaufen, weil durch die vorbeifahrenden Autos a) die Gefahr von Unfällen und b) die Gefahr von Überfällen ausgeht, dachte ich ich wäre sicherheitstechnisch einmal gut dabei. Aber nein, Fernando meinte, man dürfe auch ja nie zu nah an den Grundstückszäunen vorbeilaufen, weil die scharfgemachten Wachhunde zum Teil mal an die Gitter springen und ein Hundebiss im Gesicht ist jetzt auch nicht so ne schöne Sache. Als so ein Aggro-Vieh ein paar Meter weiter am Zaun hing, war ich ihm recht dankbar für diesen kleinen vorherigen Hinweis. Ja, was denn nun?! Nicht zu weit links laufen, nicht zu weit rechts laufen, da bleibt lediglich ein schmaler Streifen in der Mitte des Fußwegs und glaubt mir, ein gemütliches Dahinschlendern ist auf diesen Straßen kaum möglich! Ganz ehrlich: Ich hasse Routine!!! Aber jeder Weg, den ich hier draußen rumlaufe, setzt bei mir soviel Adrenalin frei, dass meine Hormontöpfchen wohl bald erschöpft sein werden :) Ohne übertreiben zu wollen, aber: Hier wird schon der Weg zur Arbeit zum reinen Abenteuer...
Anjas Mitbewohner wollten sie im Übrigen am Donnerstag überfallen, sein Bruder Fernando, den ich nun am Freitag kennengelernt habe, wurde gar schon mehrfach überfallen. Das letzte Mal bei mir um die
Ecke, er wurde mit einer Machete (!) bedroht, weil sie seine Armbanduhr wollten. Solche Geschichten tragen jetzt nicht unbedingt dazu bei, sich hier wohl zu fühlen, ganz ehrlich. Fernando meinte allerdings zu mir: "Aber du musst jetzt hier keine Angst
haben". NEIN, NATÜRLICH NICHT. Wenn ich hier mit einer Machete bedroht
werden würde, würd ich einfach arschcool meinen Mittelfinger zeigen und
sagen "Öööhm, haste noch was anderes im Angebot?". Wie soll ich denn bei all dem ruhig bleiben, bitte?! :/ Und die Geschichten reißen einfach nicht ab...Ich habe mich gestern mit Victor [der bei meinem Überfall dabei war] getroffen...er hat mir erzählt, dass ein
Kumpel von ihm - bei dem Anja vor ein paar Wochen notgedrungen gewohnt hatte - überfallen worden ist...sie wollten 5 Soles von ihm, die er nicht geben wollte...sie haben ihn zusammengeschlagen und er liegt jetzt mit nem gebrochenem
Bein im Krankenhaus. Es macht mich so sprachlos...
"Anders-Sein" in Peru
Apropos, sprachlos...am Freitag waren wir in der Wohnung von Anja. Ursprünglich wollten wir weggehen, aber dann war es so lustig, dass wir bis um vier dort abgehangen haben und danach keinen Bock mehr hatten, irgendwohin zu gehen. Ich wurde sogar gezwungen, Salsa zu tanzen [ääähm...ich und Salsa?] aber Salsa ist hier irgendwie DAS DING. Wir lernten vier von Fernandos Kumpels kennen, die sich recht schnell allesamt als schwul entpuppten [Einer davon hasst Reggaeton. YEAH! ENDLICH EIN VERBÜNDETER! Ist ihm zu vulgär. Endlich versteht mich jemand! Ich liebe schwule Männer!]. Als ich dann mit einem von ihnen draußen stand, es war schon spät, meinte er "Kann ich dir ein Geheimnis verraten". Ich: "Klar". Er: "Ich bin schwul". Die Überraschung hielt sich meinerseits wirklich sehr in Grenzen. Ich meine: Ganz ehrlich, wer bei YouTube nach Kylie Minogue sucht und dazu besser als Lady Gagas Backgroundtänzer tanzt? :) Ich hatte jetzt echt nichts anderes vermutet. Die tragische Sache daran ist eigentlich, dass Anders-Sein in Arequipa keinen Platz hat. Passt eben so gar nicht ins peruanische Macho-Männerbild... In Deutschland mag es schwer sein, sich zu outen, aber hier in Peru? Als er mir davon erzählt hat, hatte ich das Gefühl, er schämt sich dafür und es tat irgendwie weh, festzustellen, dass es so ungerecht zugeht, dass es immer noch Orte auf der Welt gibt, an denen jemand an soetwas gemessen und beurteilt wird, und sei er noch so ein guter Mensch. Er hat mir erzählt, dass seine Mutter ihn hasst, seitdem sie davon weiß. Der Ruf der Familie, und überhaupt. Er hat geweint und in seinen Augen konnte man die pure Verzweiflung sehen. Er hat versucht, sich umzubringen. Da steht ein toller 28-jähriger Mann vor dir, nett, klug, gut aussehend und das was ihn nun zu einem schlechten Menschen machen soll, ist, dass er nun mal eben nicht auf Frauen steht?! Gute Güte, wer zum Teufel glaubt denn wirklich ernsthaft, dass ihn das schlechter als andere macht? Die Logik von Homophobie hab ich ja echt noch nie begriffen!!
Zwei Männer, die händchenhaltend über die Straße laufen wären hier in Arequipa einfach unvorstellbar. Es wäre einfach zu gefährlich, das harmloseste wären wohl noch Beleidigungen. Passend zum Thema: Ich bin am Sonntagabend im Kino gewesen und wie es sich für einen ordentlichen Hollywood-Film gehört, gab es einen schwulen Sidekick. Als sich am Ende ein schwules Pärchen nur kurz geküsst hat, konnte man in dem Kinosaal ein einstimmiges und unüberhörbares "Wäääh" und "Iiiih" vernehmen. Soviele Momente, in denen mir klar wird, dass ich mich hier in einer anderen Welt befinde. Umso absurder, dass die Flagge der Stadt Cuzco allen Ernstes eine Regenbogenflagge ist. Peru hat wirklich noch einen weiten Weg vor sich, was Toleranz betrifft...
Und hey, wo wir gerade beim Thema Männer sind: Es geht hier alles in allem sehr konservativ zu. Manchmal fühlt man sich wirklich ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Stellt euch das bitte vor..wenn man mit meinem Mann über die Straße läuft, läuft der Mann immer zur Straßenseite hin, um die Frau zu schützen. Also so, wie man das bei uns mit Kindern macht. Ich meine, es ist ja niedlich, dass sie dir hier noch die Türen aufhalten, sehr höflich sind, dir alles ausgeben, dir Komplimente machen und dich wirklich behandeln wie eine Prinzessin, aber gleichzeitig bedeutet das offenbar, dass du auf ein ganzes Stück Emanzipation verzichten sollst. Und da sage ich: Nicht mit mir! :) Irgendwie meinen die Männer hier immer zu wissen, was gut für dich ist. Dieses Macho-Gehabe ist hier wirklich tief verankert, selbst bei den jüngeren Peruanern. Es sind immer die kleinen Momente, in denen das aufblitzt...z.B. etwa als Raul, der hier noch der europäischste der Peruaner ist, in einem Restaurant in Cuzco einfach für mich etwas bestellt hat, obwohl ich das gar nicht wollte. Dieses Über-Meinen-Kopf-Hinweg-Entscheiden, weil ich eine Frau bin, ist für mich ja mal das absolute No-Go! [Naja, ich glaube, ich habe ihm das anschließend auch mehr als deutlich gemacht...] Auf der anderen Seite muss ich gestehen, dass ich in heiklen Momenten dennoch gern auf alle Emanzipation verzichte und mich hier in der Anwesenheit von Männern grundsätzlich immer ein Stückchen sicherer fühle.
Zwei Männer, die händchenhaltend über die Straße laufen wären hier in Arequipa einfach unvorstellbar. Es wäre einfach zu gefährlich, das harmloseste wären wohl noch Beleidigungen. Passend zum Thema: Ich bin am Sonntagabend im Kino gewesen und wie es sich für einen ordentlichen Hollywood-Film gehört, gab es einen schwulen Sidekick. Als sich am Ende ein schwules Pärchen nur kurz geküsst hat, konnte man in dem Kinosaal ein einstimmiges und unüberhörbares "Wäääh" und "Iiiih" vernehmen. Soviele Momente, in denen mir klar wird, dass ich mich hier in einer anderen Welt befinde. Umso absurder, dass die Flagge der Stadt Cuzco allen Ernstes eine Regenbogenflagge ist. Peru hat wirklich noch einen weiten Weg vor sich, was Toleranz betrifft...
Und hey, wo wir gerade beim Thema Männer sind: Es geht hier alles in allem sehr konservativ zu. Manchmal fühlt man sich wirklich ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Stellt euch das bitte vor..wenn man mit meinem Mann über die Straße läuft, läuft der Mann immer zur Straßenseite hin, um die Frau zu schützen. Also so, wie man das bei uns mit Kindern macht. Ich meine, es ist ja niedlich, dass sie dir hier noch die Türen aufhalten, sehr höflich sind, dir alles ausgeben, dir Komplimente machen und dich wirklich behandeln wie eine Prinzessin, aber gleichzeitig bedeutet das offenbar, dass du auf ein ganzes Stück Emanzipation verzichten sollst. Und da sage ich: Nicht mit mir! :) Irgendwie meinen die Männer hier immer zu wissen, was gut für dich ist. Dieses Macho-Gehabe ist hier wirklich tief verankert, selbst bei den jüngeren Peruanern. Es sind immer die kleinen Momente, in denen das aufblitzt...z.B. etwa als Raul, der hier noch der europäischste der Peruaner ist, in einem Restaurant in Cuzco einfach für mich etwas bestellt hat, obwohl ich das gar nicht wollte. Dieses Über-Meinen-Kopf-Hinweg-Entscheiden, weil ich eine Frau bin, ist für mich ja mal das absolute No-Go! [Naja, ich glaube, ich habe ihm das anschließend auch mehr als deutlich gemacht...] Auf der anderen Seite muss ich gestehen, dass ich in heiklen Momenten dennoch gern auf alle Emanzipation verzichte und mich hier in der Anwesenheit von Männern grundsätzlich immer ein Stückchen sicherer fühle.
Gestatten, Brigitte Belin!
Am Samstag waren wir auf einer Geburtstagsparty eines reichen Söhnchnes hier in Arequipa [der im Übrigen exakt so ausgesehen hat, wie man sich so jemanden vorstellt. Ein lebendes Klischee]. Und was für eine Geburtstagsparty, ich muss hier gleich mal wieder das Wörtchen "absurd" in den Raum schmeißen! Was uns von Fernando und seinen Freunden als "Studentenparty" angekündigt worden war, entpuppte sich als ziemliche Snob-Veranstaltung. Was wir bis dato nicht wussten: Die Studenten der Privatuni von Arequipa müssen hier monatlich als Maximum [für den teuersten Studiengang Medizin] bis zu 800 Soles bezahlen. Das sind fast 300 Euro!!! Pro Monat!!! Stellt euch also das Zielpublikum der Party vor... Es gab eine Gästeliste und Pablo vom Vortag, den wir seit ungefähr 24 Stunden kannten, konnte sich Samstagvormittag natürlich nicht an unsere europäischen Namen erinnern und hatte uns daher mit Fake-Namen auf der Gästeliste eingetragen. Mein mir angedachter Name war: Brigitte Belin...................................ernsthaft!?
Die Party war irgendwo im Nirgendwo, nahe einem Industriegelände, man musste irgendwelche Bahngleise überqueren und stand dann ganz plötzlich vor zwei bewaffneten Türstehern mit schusssicheren Westen und Taschenlampe, welche eine Gästeliste in der Hand hatten. [Der Moment, in dem du denkst: Mein Leben ist ein Film!]. Ruhig bleiben, Romy..ääääh, Brigitte! Ich war dann zugegebenermaßen recht froh, als Pablo mich kurz darauf bei den knurrigen Türstehern mit Brigitte Belin vorgestellt hat, weil ich NIE IM LEBEN hätte glaubhaft rüberbringen können, dass das ernsthaft mein Name ist. Auf der Party selbst dachte ich dann ich bin in einer Folge Gossip Girl gelandet. So um die 200 Leute. In der Mehrzahl peruanische Tussen soweit das Auge gereicht hat, alle wie gerade eben aus der FHM entsprungen. Auf 15-cm-High-Heels unterwegs. Dazu für peruanische Verhältnisse sehr teure Autos. Die Creme de la Creme von Arequipa. Und wir mittendrin. Die Oberflächlichkeit lag in der Luft und Getränkepreise von bis zu 120 Soles (40 Euro) waren jetzt auch nicht gerade einladend. Mr. Geburtstags-Poser hatte neben DJ und Lasershow sogar jemanden engagiert, der das dort alles gefilmt hat [Kennt noch jemand "My Super Sweet Sixteen?!]. Es war unglaublich!!! Ich bin mir bis jetzt sicher, dass Geburtstagskind der heimliche Bruder von Chuck Bass ist, ganz sicher!
Die Party war irgendwo im Nirgendwo, nahe einem Industriegelände, man musste irgendwelche Bahngleise überqueren und stand dann ganz plötzlich vor zwei bewaffneten Türstehern mit schusssicheren Westen und Taschenlampe, welche eine Gästeliste in der Hand hatten. [Der Moment, in dem du denkst: Mein Leben ist ein Film!]. Ruhig bleiben, Romy..ääääh, Brigitte! Ich war dann zugegebenermaßen recht froh, als Pablo mich kurz darauf bei den knurrigen Türstehern mit Brigitte Belin vorgestellt hat, weil ich NIE IM LEBEN hätte glaubhaft rüberbringen können, dass das ernsthaft mein Name ist. Auf der Party selbst dachte ich dann ich bin in einer Folge Gossip Girl gelandet. So um die 200 Leute. In der Mehrzahl peruanische Tussen soweit das Auge gereicht hat, alle wie gerade eben aus der FHM entsprungen. Auf 15-cm-High-Heels unterwegs. Dazu für peruanische Verhältnisse sehr teure Autos. Die Creme de la Creme von Arequipa. Und wir mittendrin. Die Oberflächlichkeit lag in der Luft und Getränkepreise von bis zu 120 Soles (40 Euro) waren jetzt auch nicht gerade einladend. Mr. Geburtstags-Poser hatte neben DJ und Lasershow sogar jemanden engagiert, der das dort alles gefilmt hat [Kennt noch jemand "My Super Sweet Sixteen?!]. Es war unglaublich!!! Ich bin mir bis jetzt sicher, dass Geburtstagskind der heimliche Bruder von Chuck Bass ist, ganz sicher!
Es war...sagen wir mal, ganz interessant aus soziologischen Gesichtspunkten gesehen...[ich hätte ja zu gern Bilder gemacht, aber die Kamera lass ich hier lieber Zuhause...] bis Fernando so gegen um 1 ganz urplötzlich meinte, es sei besser wenn wir gehen. Es gäbe Probleme. Anja, Laetitia und ich haben uns ungläubig umgeschaut...Probleme?! Alle hatten Spaß, alle haben getanzt, nirgendwo war auch nur im Ansatz etwas von Problemen zu sehen. Eine ganz normale Party eben. Wir haben ihn überhaupt nicht verstanden und dachten, er übertreibt mal ganz schön [Eigentlich dachten wir, er will einfach nur auf ne andere Party und würde das als Ausrede nutzen], aber er redete so eindringlich auf uns ein, dass wir dann gegangen sind, obwohl wir gerne geblieben noch wären. Mit dem Taxi sind wir im Anschluss ins Zentrum gefahren, einzig Pablo ist dort geblieben, weil er den Geburtstagsschnösel wohl ganz gut kannte. Im Taxi meinte Fernando dann, er wolle uns nicht in Schwierigkeiten sehen, wir haben alle drei nur Bahnhof verstanden. Was denn bitte für Schwierigkeiten? Aber da er uns als vertrauenswürdige Person erschien, dachten wir, wir hören mal besser auf ihn. Wenn ich hier eins gelernt habe, dann das: Wenn du Peruaner hast,
die du kennst, dann schmeiß deine eigene Meinung in solchen Momenten
über Bord und vertrau ihnen vollkommen. Wenn sie sagen: Geh! Dann geh!
Deine eigene Intuition kann dir hier sehr gefährlich werden und du kannst dich niemals irgendwo sicher fühlen. Es ist
seltsam, anderen Menschen mehr zu vertrauen als seiner eigenen
Wahrnehmung. Aber hier gibt es am Ende kein Recht und kein Gesetz, nicht
einmal der Polizei kannst du trauen. Hier läuft alles anders. In
Südamerika bist du nur auf dich selber und die Ratschläge derer, die es
hoffentlich besser wissen, angewiesen. [Wow, habe ich hier gerade das Booklet für einen Actionfilm geschrieben?!]
Unser nächstes Ziel war dann das "Frogs" im Zentrum, eine ganz nette Mischung aus Bar und Club, wo erstaunlicherweise Bier in 1-Liter-Gläsern verkauft wird. Oktoberfest ist offenbar in Peru 24/7. Kennt irgendjemand von euch das Spiel, wo man verschiedene Kategorien wählen kann, einer einen Anfangsbuchstaben festlegt und es dann die Runde um geht und wer nichts weiß, trinken muss? Ein Land mit M, Städte mit T, Tiere mit U, usw. Ich bin sicher, ihr kennt das und eins kann ich euch sagen, im spanischen Raum steigt die Schwierigkeit eines Trinkspiels ungemein an! [Tiere mit U auf Spanisch....ääääääähm....?!] Zumal ich glaube, dass Peru der einzige Ort auf der Welt ist, bei dem jemand bei diesem Spiel vollkommen im Ernst die Kategorie "Santos" (Heilige) wählt. Es ist für mich wirklich eine ziemlich bizarre Situation gewesen, als ich an der Reihe war als "Lösung" mit "Santa Maria" zu antworten! :D Dieses Land ist echt immer wieder für eine Überraschung gut! So nach rund 1 1/2 Stunden stieß dann im "Frogs" wieder Pablo zu uns...wie er uns erzählt hat, hätte es bei der Party wohl eine ziemlich krasse Massenschlägerei gegeben..Leute hätten Bierflaschen zerbrochen und seien aufeinander losgegangen, es wäre alles total eskaliert. Ich war echt baff! Wie hatte Fernando das denn vorrausehen können??? Wieder einmal hat sich gezeigt: Immer fein brav auf die Locals hören.
Soviel kann ich euch schonmal verraten: In Peru werde ich definitiv nicht bleiben. Dieses ständige Aufpassen, dieses Hoffen, dass nichts passiert, das ist dermaßen anstrengend! Überall lauert das Risiko. Das kann ich vielleicht 6 Monate lang mal mitmachen, aber dann ists auch wieder gut! Auf Dauer macht einen das ja wahnsinnig. Zumal diese schizophrene Denkweise hier lautet: Du darfst keine Angst haben und sollst dich ja nicht verrückt machen, musst aber auch immer und überall auf alles achten und wenn du nur eine Millisekunde mal nicht aufpasst und dann was passiert heißt es im Anschluss noch es ist ja dein eigenes Verschulden gewesen. Den Deutschen hier im Büro ist komischerweise noch nie was passiert - Leben wir etwa in verschiedenen Welten? Und: Es ist seltsam nachts von einer Party zu kommen, die Tür hinter sich zuzuschlagen und zu denken "Puuuh, super! Nichts passiert!". Ich meine, das sollte nicht die Regel sein. In Cuzco mussten wir im übrigen sogar beim Einlass zu einer Party unsere Passnummern angeben!? Kann sich das von euch ernsthaft jemand vorstellen??? That´s South America, Guys!
Soviel kann ich euch schonmal verraten: In Peru werde ich definitiv nicht bleiben. Dieses ständige Aufpassen, dieses Hoffen, dass nichts passiert, das ist dermaßen anstrengend! Überall lauert das Risiko. Das kann ich vielleicht 6 Monate lang mal mitmachen, aber dann ists auch wieder gut! Auf Dauer macht einen das ja wahnsinnig. Zumal diese schizophrene Denkweise hier lautet: Du darfst keine Angst haben und sollst dich ja nicht verrückt machen, musst aber auch immer und überall auf alles achten und wenn du nur eine Millisekunde mal nicht aufpasst und dann was passiert heißt es im Anschluss noch es ist ja dein eigenes Verschulden gewesen. Den Deutschen hier im Büro ist komischerweise noch nie was passiert - Leben wir etwa in verschiedenen Welten? Und: Es ist seltsam nachts von einer Party zu kommen, die Tür hinter sich zuzuschlagen und zu denken "Puuuh, super! Nichts passiert!". Ich meine, das sollte nicht die Regel sein. In Cuzco mussten wir im übrigen sogar beim Einlass zu einer Party unsere Passnummern angeben!? Kann sich das von euch ernsthaft jemand vorstellen??? That´s South America, Guys!
Romy


WOW. Absolut krass. Was ich da eben gelesen habe, will einfach nicht in meinen Kopf. Mit allem - dem Denken und Handeln - sitzt mann/frau doch immer irgendwie zwischen zwei stühlen. Scheinbar gibt es ungeschriebene Regeln an die man sich halten sollte und dann passieren doch wieder Dinge, die das alles wieder außer Kraft setzen. Keine Ahnung wie du das aushälts. Ich hätte wahrscheinlich schon längst nen Nervenkollaps bekommen.
AntwortenLöschenAber höchst wahrscheinlich ändert das deine Lebenseinstellung total und wenn du wieder back in good old Germany bist, kann dich nichts mehr aus der Ruhe bringen. Wenn das mal nichts ist.
Habe eben alle "versäumten" Einträge begeistert, schockiert und amüsiert gelesen und freue mich schon auf deinen nächsten. Bis dahin ... viele liebe Grüße aus dem kalten Deutschland. xoxo Susann B.