LET´S GO TO BOLIVIA!!!
Wer auf die dämliche Idee kommt, in der
ab Dezember beginnenden Regenzeit von Peru nach Bolivien zu reisen, der braucht
entweder eine ziemlich gute Regenjacke oder verdammt viel Schwein. Wir hatten
beides. Ich weiß nicht warum, vielleicht gibt es da oben doch einen Gott, aber
zwischen all den verregneten Tagen haben wir exakt die abgepasst, welche dann
doch recht trocken waren. Eigentlich ein Wunder! Und so gelang uns dann sogar
das, was beinahe ein kleines Kunststück ist und worauf ich wahrscheinlich noch in 1000 Jahren stolz sein werde: Die unendlich scheinende Salzwüste
Salar de Uyuni an nur einem Tag trocken (= tolle Fotospielereien) und nass (= tolle Reflexionen) zu sehen... Das ist in etwa so
wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto, aber hey, ich bin eben die Frau für die
ungewöhnlichen Fälle :)
Unsere kleine Reise startete zunächst am
wunderschönen Titicacasee in Puno, 6 Stunden von Arequipa entfernt, der beinahe
so groß ist wie die ganze Insel Korsika, ökologisch gesehen aber milde gesagt eine
Vollkatastrophe darstellt. Da war er nun. Der See mit dem originellen
Namen, über den ich im Geo-Unterricht der 7. Klasse immer so herzhaft gelacht
hatte. Der Begriff Titicaca entstammt im Übrigen dem Aymara, einer
Indigenensprache, und heißt soviel wie "grauer Puma". Wir haben
gelernt, dass der See in Wahrheit "Titi-chacha" ausgesprochen wird,
also in etwa so als ob man sich während des Lachens an einer zu großen Erdnuss
verschluckt. Interessant, dass es so möglich ist, diesen See noch ein wenig bescheuerter
auszusprechen. Ich liebe Bildungsreisen!

Wir haben dort die Uros besucht, welche auf
den "Islas Flotantes" (kleine, im See schwimmende Schilfinseln)
leben. Die Uros sind eine von den gefühlt 3000 Prä-Inka-Kulturen und indigene
Ureinwohner der Anden, die noch immer ihrer ursprünglichen Kultur frönen, auch
wenn ich mich bei sowas immer frage, was einem das bringt. Naja. Auf jeder
Uro-Insel lebt jedenfalls eine ganze Familie, mit in etwa vier oder fünf
Schilfhäusern. Und die Inseln sind wirklich nich gerade groß! Falls du dich
dort mit deiner Familie zerstreitest, kannst du dich lediglich in ein Boot
setzen und wegrudern. Und wenn es nachts einen Sturm gibt, dann werden die
Inselchen auch gut und gern ein paar Kilometer weitweg getrieben, sodass Papa Uro
frühmorgens aus dem Haus kommt und feststellt: "Verdammt, wo zum Teufel
sind wir eigentlich?!". Dann heißt es wieder zum Ausgangspunkt und zur
"eigenen Adresse" zurückrudern. Wenn ein Paar heiratet, wird im
Übrigen eine neue Schilfinsel gebaut. Und: Es gibt sogar eine
"Schulinsel", auf der die Kinder der Uros unterrichtet werden. Ich
habe festgestellt, dass ich wirklich niemals auf einer Schilfinsel leben
könnte, aber ich bin ja Gott sei Dank auch kein Uro. Auch wenn ich sie durchaus
bewundere, denn die Uros sind wahre Meister im Basteln mit Schilf. Selbst ihre
Betten sind aus Schilfrohr gemacht, was wir festgestellten, als wir mal in so
ein Haus reingeschaut haben [Edit: Warum eine tote, an die Wand genagelte
Ente von jemandem ernsthaft als "Deko" verwendet wird, erschließt
sich mir allerdings nicht ganz...]. Die meisten Uros haben sich nun seit
einigen Jahren dem Tourismus verschrieben und leben von den Besuchern ihrer
Inseln, weil sich damit mehr Geld verdienen lässt, als mit ein bisschen
Fischfang. Ich kann sie allerdings sehr gut verstehen.Anschließend ging es für uns weiter über Copacabana und die bolivianische Grenze zur Isla del Sol, der heiligen Insel der Inkas, welche mitten im riesigen Titicacasee liegt. Eine Anmerkung noch zur Grenzstadt Copacabana: Das ist ein Wallfahrtsort und jedes Wochenende lassen hier unzählige Peruaner und Bolivianer vor der Kirche reihenweise ihre mit Blumen geschmückten Autos (!) von Mönchen und Schamanen segnen. Ich wiederhole: Hier werden AUTOS gesegnet. WHAT THE FUCK. Manchmal greife ich mir echt an den Kopf. [In Bolivien gibt es im Übrigen keinerlei Vorschriften bezüglich einer Promillegrenze beim Autofahren. Unfälle durch Alkohol sind dort aber keine Seltenheit. Bevor man zur Unfallvermeidung Autos segnet, könnte man ja da vielleicht mal ansetzen...ist jetzt aber nur son ganz dummer Gedanke...] Nach 2 1/2 Stunden Bootsfahrt von Copacabana aus [die umgerechnet unfassbarerweise nur 1 Euro kostet! Willkommen in Bolivien!] erreicht man dann die winzig kleine Insel, die ein wahres Paradies für jeden gestressten Städter ist. Keine Alarmanlagen, kein Hundegebell, keine schreienden Menschen, kein Straßenlärm, KEIN GEHUPE. Aaaaaaaaaaahja, so lässt es sich wunderbar aushalten.
Die Insel wirkt so friedlich und still und dort gibt es wirklich NICHTS. Nichts, außer ein paar von Locals geführte Restaurants, ein paar Häuser und Beete von Einheimischen, und naja...die plärrenden Esel :) Die ganze Insel ist überhaupt sehr ursprünglich [allerdings ebenfalls was die Unterkünfte betrifft..immerhin gibt es jetzt seit ein paar Jahren Strom dort] und es gibt nur eine Handvoll Touristen. Auf der Isla del Sol kann man wirklich nichts weiter tun, außer das Wasser anzustarren und ein bisschen umherzuspazieren, aber das lohnt sich dann auch. Der Sonnenuntergang dort ist wirklich atemberaubend schön! Vom Sternenhimmel ganz zu schweigen! Wie

Danach gings weiter nach La Paz, einer der am
höchsten gelegenen Großstädte der Welt, eine schmutzige, gefährliche also so
richtig südamerikanische Großstadt ;)
Die Busfahrt dorthin ist wirklich
beeindruckend, denn zunächst muss man die La Paz umgebende Oberstadt "El
Alto" passieren [reichlich dubioses Eckchen...dort gibts auch die
ganzen Schwarzmärkte, Dealer & Co] und fährt dann von 4000 m immer
weiter runter in einen Talkessel, in dem sich dann schließlich die Stadt an sich befindet.
La Paz hat wirklich seinen ganz eigenen Charme, mit vielen kleinen Gassen,
bunten Häusern und Graffitis an Häuserwänden. La Paz ist genau das Südamerika, wie es im Bilderbuch steht! Überall Indígenas, kleine Läden, Alpakastrickwaren und Schmuck bis zum Abwinken. Allerdings auch unheimlich viel Smog und ziemlich aggressive bolivianische Taxifahrer. Eigentlich lässt sich die ganze Stadt auf den knappen Satz "It´s a mess" herunterbrechen :D Das ist wirklich ein chaotisches Fleckchen Erde! Entführungen und Raubüberfälle sind in La Paz noch sehr viel beliebter als in Peru, aber all meine Bedenken haben sich Gott sei Dank als unnötig erwiesen und wir haben La Paz einfach als bunte, tolle und faszinierende Stadt kennengelernt. Apropos faszinierend: Das Stromnetz in La Paz sollte einen Preis verliehen bekommen! Schleierhaft, wie das funktioniert! In diesem Zusammenhang ein Hinweis: Falls ihr jemals eine Citytour in La Paz einem Bus macht und größer seid als der durchschnittliche Bolivianer: ZIEHT DEN KOPF EIN! Die Stromleitungen hängen dermaßen tief, dass ihr nach der zweiten Straßenecke entweder von einem Kabel stranguliert werdet oder aufgrund eines Stromschlags in die ewigen Gefilde segeln könnt. Ein winzigklitzekleiner Sicherheitshinweis vielleicht?
Fehlanzeige. Unser Freizeitangebot in La Paz reichte vom Coca-Museum über das Musikinstrumentemuseum bis hin zum wirklich genialen Hexenmarkt, auf dem etwa getrocknete Frösche und Lamaföten sowie Talismane und Kräuter am Start sind. Die bei vielen Touris beliebte Mountainbiketour über die "Death Road", auch liebevoll "Straße des Todes" genannt, haben wir aber wohlweislich ausgelassen. Kleiner Wermutstropfen: Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas und die Anzahl der auf der Straße lebenden Menschen daher recht groß, was mich persönlich ja immer etwas traurig stimmt :/ Bis auf diese Tatsache war La Paz aber definitiv einen Besuch wert!
Von La Paz gings dann weiter nach Uyuni.
Läppische 12 Stunden Busfahrt über Nacht. Hätte mich jetzt nach all den bisherigen
Stunden im Bus vielleicht auch gar nicht weiter gestört, aber die Straße nach
Uyuni ist wahrscheinlich eine der krassesten Straßen, die ich jemals in einem
Bus überquert habe. Nach mehreren Stunden über Schotterpisten, Feldwege und
freies Gelände hatte mein Gehirn in etwa die Konsistenz von Marmelade und wir
hatten grandiose 20 Minuten geschlafen. Während der Fahrt flogen ebenfalls
sämtliche Gegenstände der Mitreisenden durch den Bus und nach Ende der Fahrt sah man ungefähr jeden Zweiten auf der verzweifelten Suche nach seinen
Habseligkeiten unter den Sitzen hindurchkriechen. Zumindest war dies ein sehr...ähm..interessantes Erlebnis!
Witzigerweise haben wir es sogar geschafft, auf dieser Fahrt mit unserem Bus
für eine Sekunde die Bodenhaftung zu verlieren und "zu fliegen"! Kein
Scherz! Und das war schon der - im Vergleich zu normalen bolivianischen Bussen .
sehr gemächlich fahrende Touristenbus, den wir aus Sicherheitsgründen
genommen hatten!! Die hohe Unfallquote wundert mich wirklich überhaupt nicht
mehr....
Früh um 8 in Uyuni angekommen, haben wir
uns dann erstmal auf die Suche nach einer Agentur für den Salar de Uyuni und die Lagunen
gemacht. Wenn du etwas mehr als 100 Dollar auf den Tisch legst, kannst du sogar
die Hoffnung haben, dass du einen ordentlichen Jeepfahrer abbekommst. Nicht
selten saufen die Fahrer dort und dann kommt es zu Unfällen, Promillegrenze
gibts ja eh nicht, auch nicht im Umgang mit Touristen. Also mal wieder ein
Drahtseilakt. Wir haben dann aber den Super-Jackpot gezogen und mit "Lino" den
wahrscheinlich besten Fahrer der Welt gefunden. Auch unsere im Jeep Mitreisenden waren wie aus dem Bilderbuch
ausgeschnitten: Ein holländisches Ehepaar um die 30 mit zwei kleinen
Kindern auf 6-monatiger Südamerika Rundreise, welches mal bei den Vereinten Nationen gearbeitet hatte (Typ: Brad Pitt/Angelina
Jolie - gebildete Weltreisende mit Kindern) und ein junges Medizinerpaar,
welches sich bei seinen Einsätzen für "Ärzte ohne
Grenzen" kennengelernt hatte, bestehend aus einer Chilenin, die in
Belgien aufgewachsen war und in den USA gelebt hatte (Spanisch/Französisch/Englisch perfekt - NEID!)
und einem aus Madrid stammenden Spanier, der schon im kolumbianischen
Dschungel mit der FARC zu tun hatte. Naja. Und wir. Aber ich muss ja auch
nicht gleich damit rumprotzen, dass ich aus Altenburg komme und in Chemnitz MK
studiert habe. Hust.
Um den
Absurditätsfaktor noch einmal um ungefähr 100 Prozent zu potenzieren, hier
folgendes Anekdötchen. Als treue SUPER ILLU-Zweitverwerterin meiner
Oma weiß ich natürlich, dass Florian Silbereisen und Helene Fischer einfach nur Margot Honecker seit vielen Jahren in
Chile lebt :) Hatte mich mit der Chilenin gerade über die DDR unterhalten, als ich so meinte
"Hier, Margot Honecker, die lebt ja in Chile, weiß nicht, ob du die
kennst". Ich sag mal so, ich hätte jetzt mit sehr vielem gerechnet. ABER NICHT
MIT DEM SATZ: "Ähm, ja, also ehrlich gesagt, ist sie Teil meiner Familie.
Mein Onkel hat ihre Tochter geheiratet".
WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?
Wie bitte? Ich sitze mit
einer Person aus dem fernen Chile in einem Jeep in Bolivien und deren Onkel hat die Tochter
von Margot Honecker geheiratet?! Jetzt reichts aber langsam! Das find ich ja sogar noch besser als die Tatsache, dass unser aus La Paz stammender bolivianischer Büroleiter Pablo zwei Weihnachten seines Lebens in Dresden verbracht hat und sich dort mit anderen ansässigen Latinos besoffen hat (WHAT?) [Aber Dresden ist ja auch einfach mal die schönste Stadt Deutschlands :) ] Aber kommen wir mal zum Wesentlichen:
Der Tour. Wir waren im Paradies. Ernsthaft. Es gibt diese Tage da ist einfach alles viel zu schön, um wahr zu
sein. Ich habe in diesen 3 Tagen alles gesehen, was es zu sehen gab.
Lustige Viscachas
(Rattenhasenchinchillatiere), Nandus, Flamingos, Vicuñas und Lamas. Mehr
als 1000 Jahre alte Kaktusse. Einsame Lagunen. Rauchende Geysire. Einen Tornado
(EINEN TORNADO!!). Und zum Abschluss noch einen wunderschönen
Regenbogen. Ich habe bei Sonnenaufgang 5 Uhr früh in heißen Thermalquellen gebadet. Ich habe in einem Salzhostel geschlafen. Ich
habe die Desierto Salvador Dalí gesehen, die Dalí als Vorbild für eines
seiner Bilder diente. Das waren alles in allem einfach so verdammt
viele Impressionen, das es selbst im Nachhinein unglaublich scheint, was
wir da in nur 3 Tagen erlebt haben. Unglaublich auch, dass ich während des
ganzen Trips tatsächlich 9 Tage mit ein- und derselben Jeans ausgekommen
bin, mehr als 52 Stunden in südamerikanischen Bussen und 3 komplette Tage in einem Jeep
verbracht und in Hostels ohne warmes Wasser und Strom geschlafen
habe.
Am letzten Tag haben wir unsere Mitreisenden an der chilenischen Grenze rausgeworfen [SCHLUCHZ! NEHMT-UNS-MIIIIIIT!!!] und für uns ging es wieder nach Uyuni und anschließend auf einer 12-Stunden-Horror-Nachtfahrt zurück nach La Paz, um dort noch das abgefahrene Valle de la Luna (Mondtal) am Rande der Stadt zu besichtigen und unsere letzten Bolivianos für Geschenke und Souvenirs rauszuballern. Kurzer Schockmoment auf dem Hexenmarkt, als ich in meine Gürteltasche griff und nach meinen verbleibenden Geldscheinen tastete. Betonung liegt auf "verbleibenden". Ähm, wo war denn all mein Geld hin?! DIEBE? Ich hatte noch etwa 20 Bolivianos in Münzen, umgerechnet rund 2 Euro. WHAT?! Mit Bedauern musste ich nach einigen Sekunden intensivem In-Mich-Gehens feststellen, dass ich einfach mal all mein Geld dort verprasst habe. Ja, aber was soll ich sagen? Eine Kaufsüchtige ist eben eine Kaufsüchtige, ob in Deutschland, Spanien oder Südamerika! Laetitia und ich saßen am Ende unseres Shoppingrauschs dann halb lachend, halb weinend in einer kleinen dreckigen Seitengasse in La Paz auf all unseren Tüten gefüllt mit Alpakasocken und Steintalismanen und mussten auf den Schock erst einmal eine Zigarette rauchen. Ich weiß nicht, wie oft man den Satz "Fuck! I cannot believe I bought all this stuff" wiederholen kann, aber ich glaube es ist in diesem Moment ein sehr guter Satz, den ich vermutlich so um die 100-mal gesagt habe. Selbst die Straßenhunde haben uns mitleidig angestarrt. Bei all dieser ganzen Bedacht fiel uns dann plötzlich auch ein winziges, aber dennoch sehr entscheidendes Detail auf: Wir hatten ja das Hostel noch gar nicht bezahlt. *KOPF-AUF-TISCH-SCHLAG* Frauen sind bezaubernde, intelligente Wesen aber VERDAMMT, das wäre einem Kerl ganz sicher nicht passiert. Glücklicherweise hatte Laetitia noch ein paar Rest-Bolivianos, mit denen wir unsere Schulden begleichen konnten.
BACK TO BUSINESS IN AQP - GESCHENKE & SCHWARZMARKT
Und jetzt? Jetzt bin ich wieder in
Arequipa, die Regenzeit hat angefangen und der immerblaue Arequipa-Himmel ist
nun meistens verhangen von dicken, grauen Schleiern. Back to Business, pleite
nach Bolivien, aber dafür ein paar verdammt großartige Erinnerungen im Kopf. Es
könnte schlimmer sein, ja. Meine Urlaubstage sind so gut wie aufgebraucht, aber
im Januar steht immerhin noch ein kleiner Wochenendtrip nach Lima an, auf den
ich mich freuen kann. Ansonsten heißt es: Im Büro abhängen und das ebenfalls am
24. Dezember. bis 18 Uhr. Wenn ihr also Heiligabend unterm Tannenbaum sitzt,
dann denkt mal an mich, denn dann ist es bei mir dank 6-stündiger
Zeitverschiebung erst nachmittags und ich drehe mich noch lustig auf dem
Bürostuhl herum und starre aus dem Fenster in den grau-verregneten Himmel. Das
einzig Gute ist, dass in einem Land mit aus Werbung behangenen, künstlichen
Weihnachtsbäumen jetzt auch keine wahre Weihnachtsstimmung aufkommen will.
Am Freitag waren wir im Übrigen mal wieder zu Besuch
bei unserem Sozialprojekt von viSozial, der Schule "San Juan Apostol" im Randbezirk von Arequipa
und haben dort Saft und Kekse und Geschenke von Paten aus Deutschland verteilt.
Geschenke an Kinder verteilen fetzt irgendwie :D Außerdem haben wir einen neuen
Beamer gesponsert, nachdem der vorherige vor einigen Wochen aus der Schule
gestohlen worden war. Anschließend gabs im Sekretariat ne Kuchenrunde mit den
Lehrern der Schule, wo auch ein kleines und furchtbar niedliches, aber sehr
ängstliches Mädchen mit dabei war. Die Lehrerin meinte dann, sie hätte die
Kleine seitdem sie in die Schule gekommen ist nicht einmal lächeln sehen.
Sozialer Problemfall mit Lernschwierigkeiten. Entstanden aus einer
Teenagerschwangerschaft, der Vater Alkoholiker, der die Kinder zu Hause
schlägt. Wow. Irgendwie macht es einen sprachlos. Und dann siehst du dir
kleine, unschuldige Wesen mit den großen braunen Augen an an und das ist der Moment, in dem du aufstehen und
sagen willst "So, Kleine. Und wir beide gehen jetzt nach Deutschland und
machen was ganz Großartiges aus dir!" Leider Gottes ist das in den
"Pueblos Jóvenes", den Randvierteln rund um die Großstädte in Peru,
kein Einzel- sondern vielmehr der Normalfall, dass die Kinder zu Hause
geschlagen werden. Die Armut macht hier alle hilflos. Die Väter fangen meist an
zu saufen, die Kinder werden geschlagen, müssen arbeiten und es ist aufgrund
dieser Umstände schwer, ihnen eine ordentliche Schulbildung zu verpassen.
Teufelskreis. Wenn man die Kinder in der Schule so sieht, fällt einem meistens
gar nicht auf, wie schwer es die meisten von ihnen zu Hause haben. Irgendwie
ist das so eine Sache mit dem Sozialprojekt...auf der einen Seite ist es toll
zu sehen, dass die Welt ein kleines Stücken besser gemacht wird, auf der
anderen Seite aber auch so verdammt traurig, dass man sieht, wie ungerecht es
ab und an zugeht. Zumal es sicher auch dieses Weihnachten in unseren Gefilden wieder das ein oder
andere Arschlochkind geben wird, was einen Tobsuchtsanfall kriegt, weil von
Mama und Papa "nur" eine Playstation 3 unter dem Weihnachtsbaum gelegt
worden ist. Während andere nicht mal warmes Wasser oder was zu Essen haben. Es
ist doch wahrlich zum Kotzen...
Achja, zum Abschluss noch eine Frage in die Runde: Ist es eigentlich ethisch verwerflich sich einen geklauten MP3-Player zu kaufen, wenn einem selber zuvor einer geklaut worden ist? Hintergrund: Mein MP3-Player ist seit mehr als einer Woche spurlos verschwunden, hab ihn auf der Terrasse nach dem Wäschewaschen liegenlassen und jetzt will ihn keiner gesehen haben :( Verdammte Scheiße, schon wieder was abhanden gekommen, es darf einfach nicht wahrsein!!! GRRRRRRR. Da ich zur Zeit keine Kohle mehr hab, meinte Raul er kennt nen Ort wo ich nen billigen finden könnte, wenn ich nicht so wählerisch bin. Ich habe mich gestern also ernsthaft auf dem Schwarzmarkt von Arequipa wiedergefunden, auf dem alle gestohlenen Sachen verkauft werden. Von Smartphones über Tablets bis hin zu elektronischen Autoschlüsseln gibts da alles. Jetzt weiß ich wenigstens, wo die mein geklautes Handy verschleudert haben :( Irgendwie scary! Also nee - ich auf nem peruanischen Schwarzmarkt!? Großes "LOL"! Hab mir im übrigen exakt denselben MP3-Player gekauft, den ich vorher hatte, allerdings für gerade mal 14 Euro! Auch wenn man ihm schon sehr ansieht, dass er schon einige Zeit in Benutzung war, zumal es peruanische Diebe offenbar noch nicht einmal für nötig halten, die Musik vom Vorgänger zu löschen. Habe auf dem MP3-Player von peruanischer Folklore bis hin zu Korn und Avril Lavigne wirklich alles gefunden. "Freue" mich schon jetzt über den Augenblick, wenn vielleicht jemand anderes meinen MP3-Player in den Händen hält und sich über Frittenbude, Egotronic und Kraftklub wundert!!! Aber fühlt sich schon irgendwie seltsam an, Diebesgut zu kaufen...irgendwie nicht richtig...ich glaub ich bin nicht der Typ für sowas!
Heute ist im übrigen zur Abwechslung mal ein richtig sonniger Tag, ich sitze im T-Shirt da und vorhin habe ich Melone gegessen. Ähm.. Ein richtig gemütlicher 23. Dezember also :D Ihr Lieben da draußen:
Ich wünsche euch allen ein frohes Fest, einen schönen Heiligabend und viel Freude an den Weihnachtsfeiertagen!
* FELIZ NAVIDAD *





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